Durga und die Wut

Das Gefühl das alles verändert, wenn du aufhörst es zu verstecken

Ich war am Wochenende im Garten. Eigentlich wollte ich nur kurz nach meinen Kohlrabi-Jungpflanzen sehen, die ich frisch ins Gewächshaus gesetzt hatte. Liebevoll eingepflanzt, gehegt, beobachtet, vielleicht habe ich ihnen sogar Namen gegeben.

Alles weg. Mäuse.

Ich stand da und starrte auf die abgefressenen Stiele und spürte wie sich etwas in mir zusammenzog. Erstarrung zuerst. Dann Trauer. Dann etwas das sich brodelt anfühlte, heiß und unkontrolliert, irgendwo zwischen Brustbein und Bauch.

Wo sind meine Kohlrabi?!

Die letzten Wochen hatten so viel mitgebracht, Unsicherheit, das Gefühl dass mir Dinge entgleiten, dass ich kämpfe und trotzdem nicht vorankomme. Die Mäuse waren nur der letzte Tropfen.

Ich wurde zur Schattenkriegerin. Ich jätete Unkraut mit einer Energie die ich besser nicht beschreiben möchte. Ich kämpfte gegen die Schnecken, gegen die Mäuse, gegen das Leben selbst. Bis alles aus mir herausbrach, der Schmerz, die Erschöpfung, die Wut, und ich einfach dasaß.

Danach hatte ich Mitleid mit dem Unkraut.

Ich erzähle dir das, weil ich glaube dass du das vielleicht kennst. Nicht unbedingt die Mäuse, aber diesen Moment wo die Wut kommt und du nicht weißt wohin damit. Und heute möchte ich mit dir über diese Emotion sprechen, die uns Frauen so systematisch aberzogen wurde, und die gleichzeitig eine der kraftvollsten Energien ist die wir kennen.

Durga führt uns.

Was mit uns passiert wenn wir unsere Wut unterdrücken

Bevor wir über Wut sprechen, sprechen wir kurz über das was vorher kommt. Die Unterdrückung.

Folgendes Szenario: Etwas passiert, du spürst den Impuls, du schluckst ihn. Beim Meeting, in der Familie, im Gespräch mit der Freundin die schon wieder über deine Grenzen geht. Du sagst nichts. Du lächelst vielleicht sogar. Du denkst, ist doch nicht so schlimm, du willst keinen Streit, wütende Frauen sind hysterisch und verletzlich.

Und dann?

Unterdrückte Wut verschwindet nicht. Sie geht irgendwo hin. Manche Frauen tragen sie im Körper, in verspannten Schultern, in chronischer Erschöpfung, in dem diffusen Gefühl dass irgendwas nicht stimmt ohne genau sagen zu können was. Andere tragen sie als Resignation, die Energie die eigentlich Veränderung einleiten wollte, wird zu Gleichgültigkeit. Wozu überhaupt. Es ändert sich ja sowieso nichts.

Und manche tragen sie als stille Bitterkeit, die sich über Jahre ansammelt und irgendwann in einem Moment herauskommt der viel zu groß ist für den Anlass. Die Wut über die Kohlrabi, die eigentlich die Wut über alles ist.

Das Gefährlichste an unterdrückter Wut ist, dass sie uns klein hält. In der Komfortzone, auch wenn die Komfortzone längst nicht mehr komfortabel ist. Wut ist das Signal des Körpers das sagt, hier stimmt etwas nicht, hier wird eine Grenze verletzt, hier braucht es Veränderung. Wenn wir dieses Signal immer wieder abwürgen, lernen wir irgendwann nicht mehr es zu hören und damit auch uns zu überhören

Die Schattenkriegerin - Wut die sich gegen alles richtet

Es gibt zwei Arten wie Wut in ihrer Schattenseite agiert, und beide kennen wir gut.

Die erste ist die Explosion. Alles bricht auf einmal heraus, unkontrolliert, undifferenziert. Sie trifft das Unkraut, den Partner, die Kollegin, das Kind das gerade zur falschen Zeit fragt. Die Energie ist real und berechtigt, aber sie hat kein Ziel. Sie verursacht Schäden die wir danach bereuen, und dieses Bereuen bestätigt uns dann wieder, siehst du, ich hätte nichts sagen sollen, Wut ist gefährlich.

Die zweite ist die eingefrorene Version. Die Wut die sich nach innen richtet. Die sich in Selbstkritik verwandelt, in Perfektionismus, in das Gefühl nie gut genug zu sein. Diese Frauen sind nach außen hin ruhig, manchmal sogar bewundert für ihre Beherrschtheit, und innen kämpfen sie ununterbrochen gegen sich selbst.

Beide sind Durgas Schattenkriegerin. Beide kämpfen, aber ohne zu wissen wofür. Das ist der entscheidende Unterschied.

Das Stigma- Warum wütende Frauen anders bewertet werden

Ich möchte dich kurz zu einem kleinen Experiment einladen.

Stell dir vor, ein Mann schlägt in einer Besprechung mit der Faust auf den Tisch und sagt dass er mit dieser Entscheidung nicht einverstanden ist. Was hörst du danach über ihn? Leidenschaftlich vielleicht. Engagiert. Er weiß was er will.

Jetzt stell dir vor, eine Frau tut dasselbe. Was hörst du dann?

Wir wissen beide die Antwort.

Hysterisch. Emotional. Schwierig. Nicht professionell. Zu viel.

Dieser Doppelstandard ist nicht neu und er ist nicht zufällig. Eine Frau die weiß was sie will und bereit ist dafür einzustehen, ist seit Jahrhunderten unbequem. Sie stellt in Frage. Sie fordert. Sie nimmt Raum ein. Und Frauen die Raum einnehmen, wurden historisch gesehen auf vielfältige Weise zum Schweigen gebracht.

Das sitzt tief in uns und wir haben gelernt zu überleben.

Und trotzdem, dieser erlernte Reflex kostet uns enorm viel. Er kostet uns unsere Stimme, unsere Grenzen, unsere Energie für das was uns wirklich wichtig ist. Er hält uns in Situationen die uns nicht gut tun. Er macht uns klein damit andere sich groß fühlen können.

Durga hat dieses Memo nie bekommen. Und vielleicht ist es Zeit, auch wir hören auf es zu befolgen.

Wut in ihrer wahren Gestalt: Die Energie die alles verändert

Hier ist was ich nach dem Garten verstanden habe.

Als all die Wut und der Schmerz aus mir herausgebrochen waren, als ich dasaß und Mitleid mit dem Unkraut hatte das ich hasserfüllt gejätet hatte, war ich erschöpft, aber mein Herz war wieder offen und darunter die Frage, wofür will ich eigentlich wirklich kämpfen?

Das ist der Unterschied zwischen Wut als Explosion und Wut als Kraft.

Wut in ihrer ursprünglichen, gesunden Form ist ein Signal und eine Energie. Das Signal sagt, hier stimmt etwas nicht. Die Energie gibt uns die Kraft, etwas daran zu ändern. Sie ist der Motor hinter jeder bedeutenden Veränderung, privat und gesellschaftlich. Die Frauenrechtsbewegung war wütend. Die Bürgerrechtsbewegung war wütend. Jede Frau die je eine Grenze gezogen hat, die vorher nicht da war, hat das aus einer Wut heraus getan die sie in Klarheit verwandelt hat.

Durga kämpft aus genau dieser Energie. Nicht aus Hass, nicht aus Kontrollverlust. Aus dem tiefen Wissen dass hier etwas geschützt werden muss. Dass hier etwas nicht stimmt. Dass sie die Einzige ist die gerade in der Lage ist es zu tun.

Wut die sich verwandelt, die fragt wofür sie hier einsteht, diese Wut ist keine Störung. Diese Wut ist Durga.

Wie wir lernen, die Wut weise zu nutzen

Das ist leider keine Theorie die man einmal liest und dann kann. Glaub mir ich bin schon lange dran, meine Wut kennen und lieben zu lernen und das ist einfach Übung. Eine lebenslange, ehrliche Auseinandersetzung mit einer Emotion die die meisten von uns jahrzehntelang wegtrainiert haben. Oft auch gewaltvoll.

Aber es gibt Einstiegspunkte.

Spüren bevor du reagierst. Das erste was hilft ist der einfache, schwierige Schritt, die Wut zu bemerken bevor sie explodiert oder sich einfriert. Was spürst du körperlich wenn Wut kommt? Hitze im Gesicht, Enge in der Brust, ein Kribbeln in den Händen? Der Körper weiß es immer zuerst. Wenn du lernst das Signal zu erkennen, hast du einen Moment der Wahl.

Fragen statt kämpfen. Im Garten hätte mir diese Frage geholfen: worum geht es hier wirklich? Die Kohlrabi waren das Auslösende, nicht die Ursache. Wenn wir innehalten und fragen worum es wirklich geht, kommen wir von der Explosion in die Klarheit. Das braucht Übung und es gelingt nicht immer, aber jedes Mal ist ein Schritt.

Die Energie nutzen. Wut hat eine Menge Energie. Sie ist dafür da, etwas in Bewegung zu setzen. Wenn du die Frage beantwortet hast worum es wirklich geht, kannst du diese Energie gezielt einsetzen. Das Gespräch führen das du lange aufgeschoben hast. Die Grenze ziehen die schon längst fällig war. Den Brief schreiben, die Entscheidung treffen, den nächsten Schritt gehen.

Sprechen. Wut die ausgesprochen wird, auch wenn die Stimme dabei zittert, verliert ihren Schrecken. Sie bleibt bei dir, sie wird Teil deiner Geschichte, und sie zeigt dir dass du das kannst. Du hast Durga in dir. Sie wartet darauf benutzt zu werden, als Kraft, als Stimme, als Schutz für das was dir wichtig ist.

April mit Durga, mit Wut und mit Mut

Ich bin jetzt wieder im Garten und habe neue Kohlrabi-Jungpflanzen geholt und sie eingepflanzt, diesmal mit einem Schutz gegen die Mäuse. Die Wut von damals hat mich zu einer Lösung geführt, nachdem sie mich erst durch den ganzen Schmerz hindurchgeführt hat.

Das ist Durga. Das ist die Kriegerin die weiß, manchmal musst du zuerst zusammenbrechen, bevor du weißt wofür du aufstehst.

Deine Wut ist kein Fehler. Sie ist kein Zeichen, dass du zu viel bist, zu emotional, zu schwierig. Sie ist ein Zeichen dass dir etwas wichtig ist. Dass eine Grenze verletzt wurde. Dass Veränderung wartet.

Die Frage ist nur, bist du bereit, ihr zuzuhören?

In Sagas Briefen gehe ich diese Woche noch tiefer in Durgas Energien, wir schauen uns an welche Rituale helfen können, mit Wut in Kontakt zu gehen, ohne sie zu unterdrücken oder unkontrolliert zu entladen. Das Formular zum Newsletter findest du weiter unten.

Kennst du schon Durgas Song den ich erstellt habe? Guck mal bei YouTube vorbei!

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Durga und die Wut

Unterdrückte Wut verschwindet nicht. Sie geht irgendwo hin. Manche Frauen tragen sie im Körper, in verspannten Schultern, in chronischer Erschöpfung, in dem diffusen Gefühl dass irgendwas nicht stimmt ohne genau sagen zu können was. Andere tragen sie als Resignation, die Energie die eigentlich Veränderung einleiten wollte, wird zu Gleichgültigkeit. Wozu überhaupt. Es ändert sich ja sowieso nichts.

Durga, die Kriegerin in dir

Durga zeigt dir, dass Frieden eine Kriegerin braucht. 5 Weisheiten der Kriegerin für den April, für alle die Harmonie lieben und Grenzen setzen lernen. Durga kommt aus der hinduistischen Mythologie und ist eine der mächtigsten Göttinnen des gesamten Pantheons.

4 Anzeichen, dass du eine Persephone bist

Heute möchte ich dir vier Anzeichen mitgeben, dass Persephone dein Archetypus sein könnte, und zu jedem Anzeichen eine Pflanze. Der März bietet uns gerade genau das an, was wir brauchen. Alles frisch, alles lebendig, direkt aus der Erde. Du brauchst kein Kräuterwissen dafür. Nur eine Küche und die Bereitschaft, einmal anders durch den Wald zu gehen.

Über mich

Ich, Ann-Kathrin, war einmal die Frau, die in Räumen unsichtbar wurde. Die ihre Meinung schluckte, bevor sie ausgesprochen war. Die lernte, dass Liebe etwas ist, das man sich verdient durch Anpassung, durch Schweigen, durch das Verschwinden der eigenen Bedürfnisse.

Mit 23 konnte ich manchmal kaum aufstehen. Nicht weil mein Körper krank war, sondern weil meine Seele unter einem Gewicht lag, das ich nicht benennen konnte. Bis zu dem Tag, an dem ich zum ersten Mal von Coaching hörte. Von der Idee, dass Geschichten nicht festgeschrieben sind.

Heute bin ich Story Alchemistin. Ich begleite Frauen auf dem Weg von der Gefangenen zur Schöpferin ihrer eigenen Geschichte. Mit den Archetypen wilder Göttinnen als Wegweiserinnen. Mit der uralten Weisheit, dass Transformation Zerstörung verlangt.

Die alte Geschichte niederbrennen. Die neue aus der Asche erschaffen. Das ist meine Arbeit. Das ist Story Alchemie.

Und genau diesen Weg gehe ich mit Frauen, die bereit sind, ihre eigene Verwandlung zu wagen.

Sagas Briefe

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