Durga, die Kriegerin in dir

Warum dein Wunsch nach Frieden eine gerechte Kriegerin braucht

Letzte Woche hat sich eine Kollegin bei mir gemeldet. Ich dachte, sie will einchecken, du kennst das vielleicht, diese Art Nachricht die sich anfühlt wie ein fröhliches Hallo. War sie aber nicht. Am Ende des Gesprächs gab sie mir Business-Ratschläge. Ungefragt und ohne Einladung meinerseits. Mit der selbstverständlichen Energie von jemandem, der sicher ist, dass das willkommen ist.

Ich spürte sofort, dass da etwas nicht stimmt. Eine Grenze war übertreten worden, so leise dass sie es vermutlich selbst nicht gemerkt hat, und so vertraut, dass ich sie fast übersehen hätte. Aber nur fast.

Da war der Moment, wo ich selbst wusste, dass hier mein Trainingsfeld ist. Zeit eine Grenze aufzuzeigen. Freundlich, höflich, mit einer Stimme die zitterte wie Espenlaub. Weil ich es nicht gewöhnt bin. Weil irgendwo tief drin noch diese alte Überzeugung sitzt, dass Gefühle zeigen Schwäche ist, dass es sicherer ist nichts zu sagen, dass Harmonie wichtiger ist als meine Wahrheit. Die Antwort war (Überraschung!) Unverständnis. Kein böser Wille, nur Unverständnis. Und trotzdem habe ich gehalten.

Das war, von Außen betrachtet, kein großer Moment, keine Rede, kein Drama, keine zehn Arme mit Waffen. Nur eine Frau mit zitternder Stimme, die trotzdem gesprochen hat. Und genau das war die Kriegerin in mir.

Wir lernen das, leider, nicht, wissen wir beide. Während Jungs im Kindesalter Piraten, Abenteuer und Karate gespielt haben, wurden wir oft mit Familienharmonie und Barbie beschäftigt. Die Botschaft war eindeutig und sie hieß, sorge dafür dass alle sich wohlfühlen. Nur nicht auf Kosten anderer bitteschön. Nur eben öfter auf Kosten von dir selbst.

Durga hat das nie gelernt. Und ich glaube, das ist genau der Grund warum wir sie brauchen.

Wer ist Durga überhaupt?

Durga kommt aus der hinduistischen Mythologie und ist eine der mächtigsten Göttinnen des gesamten Pantheons. Ihr Name bedeutet wörtlich „die Unzugängliche“ oder „die Unbesiegbare“, je nach Übersetzung. Sie reitet auf einem Löwen oder Tiger, trägt in ihren acht oder zehn Armen Waffen verschiedenster Art und strahlt dabei eine Ruhe aus, die noch erschreckender ist als die Waffen selbst.

Sie wurde nicht aus Schwäche erschaffen. Der Mythos erzählt, dass die männlichen Götter einen Dämon namens Mahishasura nicht besiegen konnten, trotz aller ihrer Kraft und Tricks. Durga entstand aus der gebündelten Energie aller Götter zusammen, als diese einsahen, dass das Problem eine andere Art von Macht erforderte. Sie ist also nicht die Kriegerin die kämpft weil sie muss. Sie ist die Kriegerin die kämpft weil sie kann, und weil sonst niemand es tut.

Das ist ein wichtiger Unterschied, den möchte ich kurz sacken lassen.

Carol S. Pearson beschreibt die Kriegerin in ihrem Archetypus-Modell als die Figur, die Mut aufbringt, Grenzen setzt und für das kämpft was ihr wichtig ist. Die Kernfrage der Kriegerin ist dabei weniger die Frage gegen wen sie kämpft, und viel öfter die Frage wofür sie eigentlich einsteht. Die Kriegerin weiß, was schützenswert ist. Sie kämpft, damit dahinter Friede möglich wird.

Das ist Durgas eigentliches Geheimnis. Sie kämpft für den Frieden, den sie danach hält.

Warum friedliebende Frauen oft die stärksten Kriegerinnen sind

Ich habe in meiner Arbeit eine Beobachtung gemacht, die mich immer wieder trifft, nämlich dass die Frauen, die am meisten Frieden wollen, oft genau die sind, die am dringendsten lernen müssen zu kämpfen. Das klingt paradox, ist es aber bei genauerem Hinsehen überhaupt nicht.

Wenn du von Natur aus auf Harmonie ausgerichtet bist, wenn du spürst wie jemand anderes sich fühlt bevor du überhaupt weißt wie du dich selbst fühlst, wenn du lieber nachgibst als Unruhe zu erzeugen, dann bist du kein „Sensibelchen“. Du trägst eine echte Stärke in dir, die Fähigkeit zur Verbindung, zur Empathie, zur Gemeinschaft. Diese Stärke ist wundervoll und sie braucht einen Schutzwall.

Ich meine die Momente die wir alle kennen. Wenn du in einer Besprechung eine andere Meinung hast und sie trotzdem schluckst, weil die Stimmung gerade so schön harmonisch ist. Wenn jemand deine Zeit beansprucht und du ja sagst, obwohl du gerade mitten in etwas anderem steckst und das auch weißt. Wenn deine Mutter, deine Freundin, deine Kollegin etwas kommentiert das wehtut, und du lächelst und sagst, das ist schon okay. Diese kleinen stillen Kapitulationen, die sich im Moment so friedlich anfühlen und danach so leer hinterlassen.

Durga wäre ohne ihren Löwen einfach eine Frau mit zu vielen Armen. Der Löwe ist das, was sie trägt, und er ist das, was sie unzugänglich macht für alles was sie schwächt.

Dein Wunsch nach Frieden ist gut. Er ist wertvoll. Und er braucht eine Kriegerin die aufpasst, dass er nicht überrannt wird.

Ich habe diesen Unterschied lange nicht gekannt, den Unterschied zwischen Frieden suchen und Unterwerfung, zwischen Harmonie schaffen und sich unsichtbar machen, zwischen großherzig sein und sich selbst weggeben.

Durga kennt ihn. Auf ihrem Löwen reitend, mit allen Waffen bereit, ist sie trotzdem die ruhigste Figur im Raum. Sie ist die reife Kriegerin in ihrer Lichtform.

Die Schattenkriegerin: wenn die Kriegerin zu weit geht

Jeder Archetypus hat einen Schatten, und die Kriegerin ist da keine Ausnahme.

Der Schatten der Kriegerin kennt keine Pausen. Sie kämpft auch wenn kein Kampf nötig ist, sieht Bedrohungen überall, macht jeden Unterschied zum Konflikt und jede Spannung zum Schlachtfeld. Die Schatten-Kriegerin erschöpft sich und die Menschen um sie herum, weil sie vergessen hat wofür sie eigentlich kämpft.

Ich kenne diese Version in mir auch. Die Erschöpfte die trotzdem nicht aufhört zu kämpfen, weil sie nicht mehr weiß wie aufhören geht. Wenn ich auf Angriff schalte wenn eigentlich nur Müdigkeit dahinter steckt. Die aus einer Feedback-Runde ein Grundsatzgespräch macht, weil sie eigentlich seit drei Wochen zu wenig schläft, nur noch angespannt ist und das nicht sagen kann.

Durga hilft hier, weil sie uns zeigt, dass die echte Kriegerin auch weiß wann sie die Waffen ablegt. Sie sitzt auf ihrem Löwen und entscheidet, wann der Moment ist. Das ist der Unterschied zwischen Stärke und Sturheit.

Wir wissen beide, wie sich das anfühlt wenn eine dieser Energien überwiegt.

5 Weisheiten der Kriegerin für den April

Frieden ist kein Zustand des Nachgebens

Echter Friede entsteht wenn alle Beteiligten ihre Wahrheit sagen durften. Wenn du für Frieden sorgst indem du deine Wahrheit verschluckst, ist das Stille und kein Frieden. Durga erinnert uns daran, dass du sprechen darfst. Auch wenn deine Stimme dabei zittert.

Denk an die letzte Situation wo du nach einem Gespräch nach Hause gegangen bist und erst auf dem Heimweg gemerkt hast, was du eigentlich hättest sagen wollen. Das Wort das im Hals stecken geblieben ist. Der Satz der sich nicht getraut hat. Das ist der Moment, in dem Stille wie Frieden aussieht und sich danach wie Verlust anfühlt.

Grenzen sind kein Angriff

Das ist vielleicht die wichtigste Weisheit der Kriegerin. Eine Grenze zu setzen bedeutet nicht, die andere Person zu verletzen. Es bedeutet, den Raum zu schützen in dem du gedeihen kannst. Durga kämpft nicht weil sie jemanden hasst. Sie kämpft weil sie etwas liebt.

Eine Grenze klingt im Alltag zum Beispiel so, dass du sagst, du bist heute nicht verfügbar und meldest dich morgen. Oder dass du dir das gerne annimmst, aber nicht mit diesem Zeitrahmen. Oder einfach, dass dir das nicht gut tut. Keine Entschuldigung dahinter, kein dreiseitiges Erklärungs-Essay. Nur ein klarer Satz, der zeigt, dass du weißt was du brauchst. 

Du musst nicht alleine kämpfen

Durga entstand aus der gebündelten Energie aller Götter. Sie trägt deren Kraft in sich, und damit das ultimative Zeichen von Gemeinschaft. Welche Göttinnen, Frauen, Stimmen trägst du in dir wenn du für dich einstehst?

Die ruhigste Person im Raum ist oft die mächtigste

Wer schreit, hat meist schon verloren. Durgas Ruhe ist ihre eigentliche Waffe. Wenn du weißt was du weißt, musst du es nicht laut beweisen. Du musst es nur noch verkörpern.

Es gibt Dinge die es wert sind, dass du kämpfst

Deine Arbeit, deine Werte, die Menschen denen du dich verpflichtet fühlst, dein eigenes Wohlbefinden. Diese Dinge werden niemals von allein geschützt. Irgendwann kommt der Moment wo du sagst, dass du hier stehst und nicht weichst. Durga kennt diesen Moment. Sie wartet darauf, dass du ihn kennenlernst.

April mit Durga

Der April riecht nach Erde und nach Möglichkeit. Die Tage ziehen sich in die Länge, Beltane wirft seine warmen Schatten voraus, und irgendwo in dieser Energie sitzt Durga auf ihrem Löwen und schaut dich an mit diesem Blick der fragt, ob du bereit bist.

Ich arbeite diesen Monat mit ihr. In meinen Texten, in meiner Arbeit, in den kleinen alltäglichen Momenten wo ich merke, dass ich innerlich nicke wenn ich eigentlich sprechen sollte. Ich lade dich ein, dasselbe zu tun.

In Sagas Briefen gehe ich diesen Monat noch tiefer in Durgas Energie, wir schauen uns an welche Symbole sie trägt, was ihr Löwe bedeutet und welche konkreten Situationen im Alltag uns einladen, die Kriegerin in uns zu wecken. Den Link zum Newsletter findest du hier unten.

Und wenn dir heute schon eine Situation einfällt, in der du innerlich genickt hast, obwohl du eigentlich sprechen wolltest, merkst du sie dir. Das ist deine Durga, die anklopft.

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Durgas Apotheke

Dieser Blog ist der dritte in unserem April mit der Kriegerin, und diesmal schauen wir auf das was direkt vor unseren Füßen wächst. Fünf Eigenschaften die eine Kriegerin braucht, vier Pflanzen die sie verkörpern, und Rezepte die du jetzt, in diesen Wochen, frisch draußen sammeln kannst. Kein Kräuterwissen nötig. Nur ein Spaziergang und die Achtsamkeit am Wegesrand zur Seite zu blicken.

Durga und die Wut

Unterdrückte Wut verschwindet nicht. Sie geht irgendwo hin. Manche Frauen tragen sie im Körper, in verspannten Schultern, in chronischer Erschöpfung, in dem diffusen Gefühl dass irgendwas nicht stimmt ohne genau sagen zu können was. Andere tragen sie als Resignation, die Energie die eigentlich Veränderung einleiten wollte, wird zu Gleichgültigkeit. Wozu überhaupt. Es ändert sich ja sowieso nichts.

Durga, die Kriegerin in dir

Durga zeigt dir, dass Frieden eine Kriegerin braucht. 5 Weisheiten der Kriegerin für den April, für alle die Harmonie lieben und Grenzen setzen lernen. Durga kommt aus der hinduistischen Mythologie und ist eine der mächtigsten Göttinnen des gesamten Pantheons.

Über mich

Ich, Ann-Kathrin, war einmal die Frau, die in Räumen unsichtbar wurde. Die ihre Meinung schluckte, bevor sie ausgesprochen war. Die lernte, dass Liebe etwas ist, das man sich verdient durch Anpassung, durch Schweigen, durch das Verschwinden der eigenen Bedürfnisse.

Mit 23 konnte ich manchmal kaum aufstehen. Nicht weil mein Körper krank war, sondern weil meine Seele unter einem Gewicht lag, das ich nicht benennen konnte. Bis zu dem Tag, an dem ich zum ersten Mal von Coaching hörte. Von der Idee, dass Geschichten nicht festgeschrieben sind.

Heute bin ich Story Alchemistin. Ich begleite Frauen auf dem Weg von der Gefangenen zur Schöpferin ihrer eigenen Geschichte. Mit den Archetypen wilder Göttinnen als Wegweiserinnen. Mit der uralten Weisheit, dass Transformation Zerstörung verlangt.

Die alte Geschichte niederbrennen. Die neue aus der Asche erschaffen. Das ist meine Arbeit. Das ist Story Alchemie.

Und genau diesen Weg gehe ich mit Frauen, die bereit sind, ihre eigene Verwandlung zu wagen.

Sagas Briefe

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