Letzte Woche habe ich mich mit einer Freundin online getroffen. Wir haben gemeinsam gezeichnet, jede auf ihrer Seite des Bildschirms, geredet, gelacht, uns gegenseitig unsere Linien gezeigt. Es war einer dieser wundervollen Nachmittage, in denen das Machen und das Verbundensein sich ergänzen und gegenseitig nähren, ohne dass man erklären müsste, warum man gerade zeichnet, statt etwas Nützlicheres zu tun. Einfach zwei Frauen, die zusammen etwas erschaffen, weil ihnen danach ist.
Das ist Gaias Weise zu leben. Sie erschafft, weil selbst ein ruhiger Nachmittag mit einer Freundin eine Form von Schöpfung ist.
Gleichzeitig erlebe ich in meiner Coachingarbeit gerade etwas das mich wirklich beschäftigt. Immer mehr Frauen kommen zu mir die sagen, sie fühlen sich nicht mehr wohl in ihrem Körper. Nicht im Sinne von Schönheitsidealen, das wäre zu einfach. Es geht um etwas viel Tieferes, dieses urweibliche Gefühl, das einen trägt, das Wissen, dass man lebt und spürt und begehrt und begehrenswert ist, und dieses Empfinden ist bei vielen von ihnen verschwunden. Der Körper funktioniert, er tut was er soll, er bringt sie durch den Tag, aber er fühlt sich nicht mehr wie eine Heimat an, eher wie ein Werkzeug.
Das hat mich zu einer Frage geführt, die mich diese Woche nicht loslässt. Was bedeutet es sich wirklich weiblich zu fühlen, jenseits von allem, was uns darüber beigebracht wurde, jenseits von Schönheitsstandards und Rollenerwartungen und dem ewigen Optimierungsdruck? Was bleibt, wenn wir das alles weglassen?
Beim Lesen von Jutta Westphalens „Die weibliche Kraft kehrt zurück“ bin ich auf etwas gestoßen das mich nachdenken hat lassen. Sie beschreibt wie in weiblichen Hochkulturen ein jahrtausendelanges friedliches Miteinander möglich war, wie diese Kulturen das weibliche Wissen ehrten und wie systematisch dieses Wissen später ausgelöscht wurde. Was sie das vergessene Wissen der weisen Frauen nennt, ist im Grunde das was Gaia verkörpert, eine Art zu leben die aus der Erde selbst kommt, die den Körper als Heimat kennt, die Schöpfen und Verbundenheit, als dasselbe versteht.
Wir haben dieses Wissen nicht verloren. Es wurde uns ausgetrieben. Und Gaias Symbole sind eine Einladung es zurückzuholen.
Gaia ist die Erde, buchstäblich und vollständig. Alles, was unter unseren Füßen ist, alles, was uns trägt, ohne dass wir es je bitten müssten, alles, was Leben hervorbringt und Leben wieder aufnimmt, wenn es endet. Es ist das naheliegendste und gleichzeitig am meisten übersehene Symbol.
In der modernen westlichen Welt leben die meisten von uns in einem merkwürdigen Abstand zur Erde. Wir berühren sie kaum noch, wir laufen auf Beton und Laminat, wir essen Dinge, die wir nie wachsen gesehen haben, und gleichzeitig fragen wir uns warum wir uns nicht verwurzelt fühlen, warum der Körper sich fremd anfühlt, warum wir nicht wissen, was wir brauchen.
Gaia erinnert uns daran, dass Verwurzelung keine Metapher ist. Sie beginnt damit die Füße auf die Erde zu setzen, buchstäblich, barfuß auf dem Gras oder mit den Händen in der Erde, weil der Körper sich an Dinge erinnert, die der Kopf längst vergessen hat. Die Erde trägt dich, sie hat dich immer getragen, und sie fragt dich dabei nach gar nichts.
Wo stehst du gerade? Wann hast du zuletzt etwas mit den Händen berührt das aus der Erde kommt? Wann warst du zuletzt bewusst, mit Absicht barfuß draußen? Wenn die Antwort auf beides „ich weiß nicht mehr“ ist, dann zeigt dir das, wo du gerade stehst.
Was du tun kannst: Such dir diese Woche einen einzigen Moment mit der Erde. Barfuß in den Garten, Hände in die Blumenerde, eine Tomate essen, die du irgendwo wachsen gesehen hast. Fünf Minuten reichen vollkommen.
In fast allen frühen Kulturen war die Schlange ein weibliches Symbol der Weisheit, der Erneuerung, des Körperwissens, das sich nicht erklären lassen muss. Erst mit dem Patriarchat wurde sie zur Trägerin des Bösen, zur Versucherin, zur Gefahr, und das ist kein Zufall, denn die Schlange verkörperte genau das, was das Patriarchat an Frauen fürchtete, die Instinktweisheit, die Sinnlichkeit, die Fähigkeit sich zu häuten und neu zu werden ohne dabei um Erlaubnis zu fragen.
Wenn Frauen mir sagen sie fühlen sich nicht mehr in ihrem Körper zuhause, dann ist das oft genau das, was verschwunden ist. Dieses animalische Wissen, das von innen kommt, das Gefühl begehrenswert zu sein aus sich selbst heraus und nicht erst durch den Blick anderer, die Fähigkeit dem eigenen Instinkt zu vertrauen, auch wenn er sich nicht begründen lässt. All das wurde als gefährlich markiert, als unangemessen, als zu viel, und nach und nach abgelegt, so lange bis der Körper statt einer Quelle von Wissen nur noch ein Gerät zum Funktionieren wurde.
Die Schlange schläft nicht. Sie wartet auf die Wärme, die sie wieder weckt.
Wo stehst du gerade? Gibt es ein Körpergefühl, das, du regelmäßig ignorierst, weil es sich nicht begründen lässt? Eine Ahnung, ein Ziehen, ein leises Nein das du überstimmt hast? Das ist die Schlange, die wartet.
Was du tun kannst: Setz dich heute Abend für zehn Minuten hin, ohne Telefon, ohne Ablenkung, und frag deinen Körper einfach, wie es ihm geht. Nicht was er braucht, nicht was er leisten soll, nur wie es ihm geht. Dann schreib auf was kommt, auch wenn es keinen Sinn ergibt.
In der Erde gibt es Höhlen, und in den ältesten Kulturen waren sie heilige Orte, Orte der Geburt, der Initiation, der Verwandlung, Orte, an denen man hineinging, um etwas Altes zu lassen und etwas Neues zu empfangen, um in der Stille zu horchen die draußen nicht zu hören ist.
Viele der Frauen, die ich begleite, tragen so einen Ort in sich. Einen Ort, an dem das Urweibliche noch da ist, still und wartend, auch wenn der Rest des Lebens längst zum Funktionswerk geworden ist. Dieser Ort wurde nicht vernichtet, aber er wurde verschlossen, manchmal durch Erfahrungen, manchmal durch Erwartungen.
Was Gaias Höhle uns sagt, ist, dass dieser Ort normal ist und gesund und nicht für alle zugänglich sein muss. Jede von uns hat das Recht auf einen inneren Raum, der ihr gehört, aus dem sie herauskommt mit etwas das sie vorher nicht hatte, und in den sie zurückgehen darf, wann immer sie sich selbst braucht.
Wo stehst du gerade? Wann warst du zuletzt wirklich allein mit dir, ohne Agenda, ohne Aufgabe? Wann hast du zuletzt einen Raum gehabt der ganz dir gehörte?
Was du tun kannst: Nimm dir diese Woche eine Stunde die niemandem gehört außer dir. Du kannst darin schlafen, zeichnen, gaffen, dösen. Der Inhalt ist egal, wichtig ist nur dass du in deiner eigenen Höhle bist.
In den alten Kulturen des Mittelmeerraums galten Bienen als heilig, als Verbindung zwischen der Erde und dem Göttlichen, als Trägerinnen der weiblichen Gemeinschaftsweisheit. Ganze Tempel waren dem Bienenstock nachempfunden, rund, warm, aus gemeinsamem Wirken entstanden, weil die Biene etwas versteht das wir Frauen ebenfalls wissen, wenn wir ehrlich sind, dass das Schönste meistens in Verbindung entsteht.
Mein Nachmittag mit der Freundin war so ein Bienen Tag. Jede von uns zeichnete für sich, und doch entstand etwas das allein so nicht möglich gewesen wäre, eine besondere Stimmung, ein gegenseitiges Aufeinanderhören, ein Nachmittag, der sich anfühlte, als wäre er größer als die Summe seiner Teile. Das ist das Geheimnis des Bienenstocks, dass das gemeinsame Erschaffen eine andere Tiefe hat als das einsame, weil wir uns im Spiegel der anderen sehen und dadurch mehr zu uns selbst werden.
Wo stehst du gerade? Mit wem schöpfst du gerade? Gibt es eine Frau in deinem Leben mit der du etwas erschaffen könntest das allein so nicht entstehen würde? Oder bist du gerade sehr lange sehr allein in deinem Schaffen?
Was du tun kannst: Schreib heute einer Frau, die dir wichtig ist und die du schöpferisch erlebst, eine kurze Nachricht. Einfach weil du gerade an sie gedacht hast. Das ist Bienen-Energie, der Rest ergibt sich von selbst.
Der Olivenbaum wächst langsam. Er braucht Jahrzehnte, um wirklich zu tragen, und er kann Jahrtausende alt werden, es gibt Olivenbäume im Mittelmeerraum die zur Zeit der alten Griechen schon standen und die Kriege, Trockenheit und den Wechsel ganzer Zivilisationen überdauert haben. Gaias ältestes lebendes Symbol, und vielleicht ihr ehrlichstes.
Er steht für das weibliche Erbe das länger lebt als jede einzelne Frau, für die Wurzeln, die wir in uns tragen, auch wenn wir von ihnen nichts mehr wissen. Genau das, was Jutta Westphalen beschreibt, das Wissen der weisen Frauen wurde ausgelöscht, aber die Wurzeln sind geblieben, in unseren Körpern, in unseren Instinkten, in dem leisen Gefühl, das manchmal auftaucht und sagt das etwas fehlt, auch wenn wir nicht benennen können, was.
Der Olivenbaum gibt erst spät und trägt dann für Generationen. Er verlangt keine spektakulären Gesten, nur Geduld mit dem, was langsam wächst, und Vertrauen darin, dass Wurzeln, die man nicht sieht, trotzdem tragen.
Wo stehst du gerade? Gibt es etwas in dir das du schon lange wachsen spürst aber noch nicht zeigen konntest oder wolltest? Etwas das noch kein Publikum hat, noch nicht fertig ist, vielleicht noch gar keine Form hat außer einem leisen Wissen, dass es da ist?
Was du tun kannst: Schreib in einem einzigen Satz auf was das ist. Damit du selbst weißt, dass du es weißt. Manchmal ist das Benennen das erste Blatt, das auftaucht.
Fünf Symbole, fünf Einladungen zurück zu dem, was wir vergessen haben. Was sie alle miteinander teilen ist, dass sie auf etwas zeigen das bereits in uns ist.
Gaia hat dieses Wissen nicht erfunden, sie hat es verkörpert, jahrtausendelang, und sie verkörpert es noch. Sie wartet in der Frau die barfuß durchs Gras geht und kurz innehält, in der Frau, die einem Bauchgefühl folgt, das sie nicht begründen kann, in dem Nachmittag an dem zwei Frauen zusammen etwas erschaffen einfach weil ihnen danach ist.
Sie wartet nicht in einer fernen Mythologie auf Entdeckung, sie wartet in dir, genau dort wo das Urweibliche noch immer lebt, auch wenn es lange nicht besucht wurde.
Willst du immer weiter an dir vorbeigehen und diesen inneren Ort vergessen, oder nimmst du dir jetzt die Zeit ihn wieder zu besuchen?
Bist du bereit deine Geschichte neu zu schreiben?
Wenn du tiefer in die Welt der Schöpferin eintauchen möchtest, Sagas Briefe begleiten dich durch das ganze Jahr.
Ich, Ann-Kathrin, war einmal die Frau, die in Räumen unsichtbar wurde. Die ihre Meinung schluckte, bevor sie ausgesprochen war. Die lernte, dass Liebe etwas ist, das man sich verdient durch Anpassung, durch Schweigen, durch das Verschwinden der eigenen Bedürfnisse.
Mit 23 konnte ich manchmal kaum aufstehen. Nicht weil mein Körper krank war, sondern weil meine Seele unter einem Gewicht lag, das ich nicht benennen konnte. Bis zu dem Tag, an dem ich zum ersten Mal von Coaching hörte. Von der Idee, dass Geschichten nicht festgeschrieben sind.
Heute bin ich Story Alchemistin. Ich begleite Frauen auf dem Weg von der Gefangenen zur Schöpferin ihrer eigenen Geschichte. Mit den Archetypen wilder Göttinnen als Wegweiserinnen. Mit der uralten Weisheit, dass Transformation Zerstörung verlangt.
Die alte Geschichte niederbrennen. Die neue aus der Asche erschaffen. Das ist meine Arbeit. Das ist Story Alchemie.
Und genau diesen Weg gehe ich mit Frauen, die bereit sind, ihre eigene Verwandlung zu wagen.