Diese Woche habe ich etwas erlebt das mich noch immer ein bisschen sprachlos macht. Ich habe Liebe und Wertschätzung bekommen, mit der ich schlicht nicht gerechnet hatte. Kleine Gesten, unerwartete Worte, Momente, die sich anfühlten, wie ein warmes Licht das plötzlich aus einer Richtung kommt, die man vergessen hatte zu erwarten.
Und ich saß da und fragte mich, warum mich das so überrascht hat.
Vielleicht weil ich so oft darauf eingestellt bin zu geben, zu leisten, präsent zu sein, dass ich vergesse, dass auch ich beschenkt werden darf. Dass auch ich einen Raum einnehmen darf, der duftet, der einlädt, der etwas ausstrahlt.
Kleopatra hat das gewusst. Und sie hat es mit Pflanzen und Düften in die Welt getragen.
Kleopatra war eine politische Meisterin, und sie wusste etwas das viele vergessen. Menschen werden durch Atmosphäre bewegt, durch das was sie riechen, spüren, fühlen bevor sie überhaupt angefangen haben zu denken.
Ein bekanntes Beispiel ist ihr Schiff. Sie soll die Segel mit Rosenöl getränkt haben, so großzügig, dass man sie schon vom Ufer riechen konnte, bevor das Schiff überhaupt in Sichtweite war.
Das ist Herrscherin Energie. Düfte und Pflanzen sind Sprache. Und wir können lernen sie wieder zu sprechen.
Die Rose war in der Antike das Symbol der Schönheit, der Sinnlichkeit und der Liebe, und ich glaube sie hat diesen Ruf vollkommen zu Recht. Es gibt kaum einen Duft, der so vielschichtig ist, warm und kühl zugleich, süß und herb, zart und trotzdem mit einer Präsenz, die man nicht ignorieren kann.
Kleopatras Rosenöl wurde in Fett oder Olivenöl mazeriert, ein Prozess der wochenlang dauerte und die Blüten in ihrer ganzen Tiefe aufschloss. Das heutige Rosenöl wird destilliert und ist immer noch eines der teuersten Pflanzenöle der Welt, für einen Liter braucht man etwa fünf Tonnen Rosenblüten. Das erklärt warum Kleopatra damit ihre Schiffssegel tränken konnte. Das war eine ganz deutliche Aussage über Reichtum, Schönheit und Macht in einem einzigen Atemzug.
Ganzheitlich gesehen steht die Rose für Selbstliebe, für das Recht gesehen zu werden, für die Verbindung von Herz und Schönheit. In der Aromatherapie wird Rosenöl bei Trauer eingesetzt, bei emotionalen Wunden, bei dem Gefühl nicht genug zu sein. Sie öffnet das Herz, ganz sanft, ohne zu drängen.
Im Juli stehen die Rosen in voller Blüte. Eine Blüte ins Zimmer holen und schauen was sich verändert, ein bis zwei Tropfen Rosenöl in die Duftlampe, Rosenhydrolat morgens ins Gesicht sprühen und einmal tief einatmen bevor der Tag beginnt, oder einfach einen Strauß kaufen und bewundern.
In den ägyptischen Tempeln wurde dreimal täglich geräuchert, morgens mit Weihrauch, mittags mit Myrrhe, abends mit Kyphi. (Ein Traum oder??) Kleopatra hat sich als Isis inszeniert, als Göttin, und Weihrauch war buchstäblich die Sprache der Götter.
Weihrauch stammt vom Boswellia-Baum, einem dieser unscheinbaren kleinen Bäume, die in trockenen felsigen Regionen Arabiens und Ostafrikas wachsen und aus ihren Rissen ein Harz weinen das wie Gold gehandelt wurde. Die Harzkristalle verbrennen langsam, sie geben ihren Duft in Wellen ab, harzig, warm, leicht süßlich, mit einer Tiefe, die an alten Wald erinnert oder an Kirchenräume oder an irgendetwas das älter ist als man selbst.
Ganzheitlich gesehen steht Weihrauch für Reinigung, für Klarheit, für das Ankommen bei sich selbst. Er hat nachweislich eine stresssenkende Wirkung, verlangsamt die Atemfrequenz und kann den Geist beruhigen. In der spirituellen Praxis wird er eingesetzt, um Räume zu klären, um Altes loszulassen, um eine Art Reset einzuleiten.
Für die Herrscherin bedeutet das, dass bevor du in die Welt trittst, komm zuerst bei dir an. Weihrauch räuchern vor einem schwierigen Gespräch, vor einer Entscheidung, vor einem Morgen, an dem man noch nicht weiß, wer man heute sein will. Einfach die Kohle anzünden, das Harz drauf, tief einatmen und warten bis der Kopf etwas ruhiger wird. Übrigens wenn du diesen Rauch in der Kirche im Kopf hast, weit gefehlt! Weihrauch Harz riecht viel blumiger und kann auch z.B. Rosenaroma haben.
Kyphi ist wahrscheinlich das faszinierendste Räucherwerk der Geschichte. Eine Mischung aus sechzehn Zutaten, unter anderem Weihrauch, Myrrhe, Wacholder, Mastixharz, Zimt und Rosenblüten in Wein eingeweicht, die monatelange Vorbereitung erforderte und dabei mit Gebeten und Ritualen begleitet wurde. Es wurde nicht einfach gemischt, es wurde erschaffen. Während ich das hier schreibe, brennt mein Räucherstövchen mit einer wunderbaren Kyphi Mischung darauf, magisch!
Kleopatra trug Kyphi als persönliches Parfüm. Kyphi war ein Tempelduft, heilig, aufwendig und den Göttern vorbehalten. Ihn als persönlichen Duft zu tragen war eine klare Aussage: Ich bin kein gewöhnlicher Mensch. Das Göttliche trägt meine Gestalt.
Ganzheitlich gesehen steht Kyphi für die Verbindung von Körper, Geist und dem was über uns hinausgeht. Die alten Ägypter haben es als Trank verwendet, als Salbe, als Räucherwerk, als Opfergabe. Es ist ein Duft der gleichzeitig erdet und öffnet, der in die Tiefe geht und trotzdem leicht bleibt.
Heute findet man Kyphi in spezialisierten Räuchershops, manchmal fertig gemischt, manchmal als Bausatz. Es ist kein Alltagsduft, er ist zu komplex und zu intensiv für nebenbei. Aber für einen besonderen Abend, für einen Moment, in dem man bewusst eintritt in etwas, ist er wundervoll.
Zimt war Teil von Kleopatras persönlicher Duftmischung, zusammen mit Iris, Hyazinthe, Honig und Orangenblüten. Ich finde diese Kombination interessant, weil sie so viel über sie aussagt. Süß und warm auf der einen Seite, würzig und scharf auf der anderen. Zimt ist eines dieser Gewürze, die man gerne mal unterschätzt, weil man sie aus der Weihnachtsbäckerei kennt, aber tatsächlich ist Zimt eine der mächtigsten Heilpflanzen überhaupt.
Er wärmt den Körper von innen, regt den Kreislauf an, wirkt entzündungshemmend und antibakteriell. In der Traditionellen Chinesischen Medizin gilt er als Yang-Pflanze, also als eine die Lebensfeuer und Energie anfacht. Und im wörtlichen Sinne kennt Zimt Grenzen. Zu viel davon brennt, auf der Zunge, auf der Haut und auch im Körper.
Ganzheitlich steht Zimt für die Verbindung von Wärme und Klarheit, für das Wissen, dass man herzlich sein kann und trotzdem wissen, wo man aufhört. Eine Herrscherin kann warm sein, sie muss es aber nicht grenzenlos sein. Ein Zimtstängel im Tee, ein paar Tropfen Zimtöl in der Duftlampe oder ein Zimtstängel auf dem Schreibtisch der einen ab und zu kurz innehalten lässt.
Wacholder ist einer dieser Bäume die man ein bisschen kennt aber nicht wirklich. Man sieht ihn am Wegesrand, in Heiden, auf Felsen, immer ein bisschen knorrig und eigenwillig. Oder einfach von Omas Suppe oder Braten, weil das halt da rein gehört, aber weshalb…?
Er ist eine der ältesten Räucherpflanzen Europas, wurde in germanischen, keltischen und ägyptischen Kulturen verwendet, immer für dasselbe: Schutz, Reinigung, Klärung. Vor der Ernte wurde geräuchert, um die Felder zu segnen. Auf Reisen wurde Wacholder mitgenommen, um böse Geister fernzuhalten. In Krankenstuben wurde er verbrannt, um die Luft zu reinigen. Das war lange vor der Aromatherapie und trotzdem wussten die Menschen instinktiv, was dieser Baum so kann.
Ganzheitlich gesehen steht Wacholder für Schutz und Selbstfürsorge, für das Recht auf den eigenen Raum. Er hilft dabei Altes loszulassen, Energien zu klären, und sich selbst gegenüber aufmerksam zu sein. Sein Duft ist herb, harzig, ein bisschen wie Waldluft nach dem Regen, einer der erdendsten Düfte, die es gibt.
Wacholderbeeren lassen sich einfach auf einer Räucherkohle räuchern. Ein gefundener Wacholderzweig kann getrocknet und wie ein Smudge-Stick verwendet werden. Und Wacholderöl in der Duftlampe für Momente, in denen man spürt. dass die eigenen Grenzen gerade etwas Unterstützung brauchen.
Jasmin blüht in Deutschland im Frühsommer, im Juli ist er meist schon vorbei und seine weißen Sternblüten sind längst gefallen. Aber sein Duft hält sich in getrockneten Blüten und als Öl, und er ist einer der intensivsten und gleichzeitig zartesten Blütendüfte überhaupt. Das ist das Interessante an Jasmin ist, dass er intensiv ist, aber schwer greifbar, man merkt erst nach ein paar Minuten wie er sich im Raum ausgebreitet hat.
Jasmin wirkt auf das Nervensystem beruhigend und gleichzeitig öffnend. Er senkt nachweislich Stressmarker, hebt die Stimmung und verbindet uns mit dem, was in uns liegt ohne, dass wir es aktiv suchen müssen. In der indischen Tradition ist Jasmin die Blume der Göttin schlechthin, er wird bei Hochzeiten verwendet, bei Tempelfesten, immer dort wo etwas Heiliges beginnt oder geehrt wird.
Ganzheitlich steht Jasmin für die sanfte Seite der Herrscherin. Für das Wissen, dass Stärke auch leise sein darf und dass Weichheit keine Schwäche ist. Ein paar Tropfen Jasminöl in der Duftlampe, abends, wenn der Tag zu Ende geht, und dann einfach dasitzen und schauen was auftaucht.
Diese Pflanzen sind eine Einladung an dich. Welcher Duft zieht dich an, wenn du jetzt an diese Liste denkst? Rose, Weihrauch, Kyphi, Zimt, Wacholder, Jasmin? Das ist kein zufälliges Gefühl. Vielleicht ist das schon eine Antwort auf die Frage welche Energie du gerade brauchst.
Kleopatra hat nicht zufällig gerochen, wie sie roch. Sie hat gewählt. Bewusst, klug, mit einer Absicht die politisch, sinnlich und spirituell zugleich war.
Das ist die Herrscherin. Sie wählt bewusst, was sie umgibt.
Willst du immer weiter durch dein Leben rauschen, ohne zu wählen was dich trägt, oder fängst du heute an deinen Raum so zu gestalten, wie du wirklich bist?
Bist du bereit deine Geschichte neu zu schreiben?
Ich, Ann-Kathrin, war einmal die Frau, die in Räumen unsichtbar wurde. Die ihre Meinung schluckte, bevor sie ausgesprochen war. Die lernte, dass Liebe etwas ist, das man sich verdient durch Anpassung, durch Schweigen, durch das Verschwinden der eigenen Bedürfnisse.
Mit 23 konnte ich manchmal kaum aufstehen. Nicht weil mein Körper krank war, sondern weil meine Seele unter einem Gewicht lag, das ich nicht benennen konnte. Bis zu dem Tag, an dem ich zum ersten Mal von Coaching hörte. Von der Idee, dass Geschichten nicht festgeschrieben sind.
Heute bin ich Story Alchemistin. Ich begleite Frauen auf dem Weg von der Gefangenen zur Schöpferin ihrer eigenen Geschichte. Mit den Archetypen wilder Göttinnen als Wegweiserinnen. Mit der uralten Weisheit, dass Transformation Zerstörung verlangt.
Die alte Geschichte niederbrennen. Die neue aus der Asche erschaffen. Das ist meine Arbeit. Das ist Story Alchemie.
Und genau diesen Weg gehe ich mit Frauen, die bereit sind, ihre eigene Verwandlung zu wagen.