Cerridwen

Der Kessel der Weisheit und ihre Symbole

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Wir waren diese Woche an der Nordsee, und dort habe ich eine Freundin umarmt, die ich eigentlich nur online kenne. Es war ganz wunderbar und gleichzeitig surreal, da wir schon so oft uns ausgetauscht und gelacht haben und jetzt zum ersten Mal konnten wir uns ganz kennenlernen. Und dazu dieser Nordsee-Wind, neue Landschaften, neue Brauchtümer, es gibt noch so viel Neues, das ich noch nicht kenne, noch nicht gerochen, noch nicht gespürt habe. Ich war völlig k.o. nach diesem magischen Kurztrip.

Genau dieses Gefühl von Offenheit, von noch nicht Fertigem, das ist für mich der Einstieg in Cerridwen. Weil ihre ganze Geschichte davon handelt, was passiert, wenn man sich auf das Unfertige einlässt, statt es zu kontrollieren, und weil ihre Symbole viel tiefer gehen als ein paar Glitzersternchen und Zauberstäbe.

Wer war nochmal Cerridwen?

Cerridwen ist die große keltisch-walisische Muttergöttin, Mondgöttin, Schützerin der Regeneration, der Inspiration, der Magie, der Kräuter, der Poesie und Weisheit, Göttin von Tod und Wiedergeburt. Verehrt wurde sie hauptsächlich in Wales und Cornwall, oft als dreifache Göttin, meistens in der Gestalt der Alten.

Sie hatte drei Kinder, darunter Afangdu, einen Sohn, der außergewöhnlich hässlich war. Weil sie ihn liebte und fürchtete, dass die Welt ihm hart begegnen würde, braute sie einen Trank, der ihm Weisheit und Schönheit schenken sollte, ein Jahr und einen Tag lang, unter sorgfältiger Beobachtung von Mond, Sonne und jedem einzelnen Stern. Ihr Gehilfe Gwion musste rühren, während sie Kräuter suchte, und ausgerechnet ihm, nicht ihrem Sohn, spritzten die entscheidenden Tropfen auf die Haut. Er leckte sie instinktiv ab und die gesamte Kraft ging auf ihn über.

Cerridwen jagte ihn quer durchs Land, vom Hasen zum Windhund, vom Fisch zum Otter, vom Vogel zum Falken, bis er sich in ein Korn verwandelte und sie als Henne kam und ihn verschluckte. Neun Monate später gebar sie ihn als Taliesin, den größten Barden des keltischen Mythos.

Sie hätte ihn töten können. Sie hat ihn stattdessen gegessen und neu geboren. Das ist der Kern von allem, was folgt.

Der Kessel ist eigentlich ein Bauch

Kurzer Sprachexkurs, weil ich das erst vor Kurzem kapiert habe. Das Wort Gral bedeutet ursprünglich einfach Kessel, Kelch, Gefäß. Irgendwas in das man, was hineingibt. Und wenn man einmal anfängt darauf zu achten, sieht man diese Form überall, im Blütenkelch, in einer Bodensenke, in den eigenen zwei Händen, wenn man Wasser schöpft, in der Gebärmutter.

Der Kessel ist also das genaue Gegenteil vom Kreuz, und das finde ich fast schon frech in seiner Deutlichkeit. Das Kreuz erzählt von einem Tod, einer Auferstehung, fertig, Erlösung abgeschlossen. Der Kessel erzählt von einem Kreislauf, der einfach immer weitergeht. Gebären, nähren, wachsen lassen, bewahren, heilen, und dann wieder von vorne. Das war schon lange vor jeder Gralslegende das, was Frauen tun.

Und weil ich diese Woche zufällig auch über Organe gelesen habe, über Nieren, die für Angst und Kontrolle stehen sollen, hat sich das bei mir zusammengeschoben. Der Bauch war der erste Kessel, lange bevor irgendein Topf auf irgendeinem Herd stand. Wenn sich da etwas meldet, ein Ziehen, eine Enge, irgendein Gefühl, für das man keinen Namen hat, dann brodelt da gerade was. Man muss nur hinhören, anstatt es wegzudrücken, was ich zugegebenermaßen jahrelang ziemlich gut konnte.

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Was der Kessel von dir will (Achtung, unbequem)

Es gibt eine Formel die Cerridwen den Frauen sagt, die zu ihr kommen, und die ist sehr direkt. Sinngemäß so: „Du kommst zu mir und ich heiße dich willkommen, ich nehme dich auf meinen Schoß, den großen Kessel der Verwandlung, und hier wirst du durchgesiebt, durchgerührt, vermischt, gargekocht, aufgelöst, zerstampft, neu zusammengesetzt und dann zurück in den Kreislauf geschickt.“

Keine Wellness-Ansage, oder?

Frauen, die ihrem Bauchgefühl trauen, müssen in ihrem eigenen Kessel nämlich oft genau das machen. Zerkleinern, zerkochen, bittere Zutaten reinwerfen, was verdampfen lassen, ein bisschen anbrennen lassen, kräftig verrühren. Das ist derselbe Ablauf wie in schamanischen Erfahrungen, wo die alte Identität auseinandergenommen und neu zusammengesetzt wird. Gerade noch Business-Frau, zwei Stunden später fürsorgliche Mutter, abends komplett aufgelöst im Haushaltschaos und um zehn dann doch noch die verruchte Liebhaberin. Hilfsbereite Nachbarin, zänkische Alte, zärtliche Geliebte, wildes unkontrollierbares Weib, alles an einem einzigen Dienstag.

Klingt chaotisch, ich weiß, vieles davon oft auch ungerecht. Aber das ist ziemlich genau, was echte Verwandlung braucht, diese Bereitschaft mehrere Gestalten in sich zu tragen ohne sich für eine entscheiden zu müssen.

Die weiße Sau, und warum das ein Kompliment ist

Cerridwens heiliges Tier ist die Muttersau. In manchen Überlieferungen frisst sie als weiße Sau die toten Körper der Menschen, was beim ersten Lesen erstmal ordentlich verstört. Aber durch dieses Auffressen können die Toten sich verwandeln und in die Anderswelt kommen. Geben, Nehmen, Leben, Tod, alles in derselben Göttin, ohne dass irgendjemand das moralisch sortiert.

Es heißt sogar, sie sei die Schweinegöttin der Sterne und des Schwarzmondes, und die Sterne seien ihre Ferkel, die sie morgens verschlingt und abends wieder gebiert. Jeden Tag und für immer.

Was mich an der Sau aber am meisten fasziniert ist ihre Nase. Schweine hören unglaublich gut und riechen noch besser, und genau das wird Cerridwen Frauen zugeschrieben. Sie hören die Zwischentöne, riechen Dinge schon im Vorfeld, schnüffeln herum und finden Trüffel wo andere nur Waldboden sehen.

Das passt so gut zu dem, was mich diese Woche bei meinen Klientinnen beschäftigt hat. So viele denken ihr Leben zu Tode, anstatt es zu leben, sie zerdenken jede Möglichkeit aus Angst vor der falschen Erfahrung, dabei ist der Verstand selten der Ort, an dem die Wahrheit vergraben liegt. Der Instinkt riecht sie längst, während der Kopf noch Pro-und-Contra-Listen schreibt.

Und dann, das ist mein Lieblingsdetail, wälzt sich die Sau im Schlamm, lässt alles trocknen, reibt die Kruste ab und ist damit rundum sauber inklusive aller Parasiten. Reinigung geht eben manchmal genau durch den Dreck.

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Was das für dich bedeutet

Cerridwens Symbole erzählen von einer Frau, die keine Angst vor Auflösung hat. Die weiß, dass man manchmal durchgesiebt und zerstampft werden muss, bevor man wieder zusammengesetzt werden kann. Die ihren eigenen Bauchkessel kennt und ihm vertraut, auch wenn er gerade ziemlich unappetitlich brodelt.

Was brodelt gerade in deinem Kessel, und traust du dich zu riechen was da wirklich drin ist?

Willst du immer weiter kontrollieren wollen was sich noch nicht kontrollieren lässt, oder lässt du heute zu was durchgesiebt werden will?

Bist du bereit deine Geschichte neu zu schreiben?

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Cerridwen – Der Kessel der Weisheit und ihre Symbole

Cerridwen ist die walisische Göttin des Kessels, der Verwandlung und der Wiedergeburt. Ihre Symbole gehen viel tiefer als hübsche Bilder, der Kessel als weibliches Urgefäß, die weiße Sau die frisst und gebiert, die Nase die Wahrheiten riecht bevor der Kopf sie sortiert hat. In diesem Blog schauen wir uns an was diese Symbole wirklich erzählen und warum Verwandlung selten bequem ist.

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Über mich

Ich, Ann-Kathrin, war einmal die Frau, die in Räumen unsichtbar wurde. Die ihre Meinung schluckte, bevor sie ausgesprochen war. Die lernte, dass Liebe etwas ist, das man sich verdient durch Anpassung, durch Schweigen, durch das Verschwinden der eigenen Bedürfnisse.

Mit 23 konnte ich manchmal kaum aufstehen. Nicht weil mein Körper krank war, sondern weil meine Seele unter einem Gewicht lag, das ich nicht benennen konnte. Bis zu dem Tag, an dem ich zum ersten Mal von Coaching hörte. Von der Idee, dass Geschichten nicht festgeschrieben sind.

Heute bin ich Story Alchemistin. Ich begleite Frauen auf dem Weg von der Gefangenen zur Schöpferin ihrer eigenen Geschichte. Mit den Archetypen wilder Göttinnen als Wegweiserinnen. Mit der uralten Weisheit, dass Transformation Zerstörung verlangt.

Die alte Geschichte niederbrennen. Die neue aus der Asche erschaffen. Das ist meine Arbeit. Das ist Story Alchemie.

Und genau diesen Weg gehe ich mit Frauen, die bereit sind, ihre eigene Verwandlung zu wagen.

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