Wir haben diese Woche unsere Trauben geerntet. Alles, was der Weinstock hergegeben hat, direkt in den Entsafter, und dann mit Zimt und Ingwer aufgekocht zu einem Punsch für die kalten Abende, die jetzt kommen. Die Küche roch nach Herbst, noch bevor der offiziell da ist.
Und wenn ich aus dem Fenster schaue, färben sich die Kastanien schon deutlich. Man merkt es an allem. Pumpkin Spice Latte, Kuscheldecke und magische Geschichten liegen in der Luft.
In fünf Tagen ist außerdem Mabon, und damit mein Lieblingsfest im ganzen Jahreskreis.
Mabon fällt auf die Herbst-Tagundnachtgleiche, und findet um den 22. September statt. Es ist der Moment an dem Tag und Nacht gleich lang sind, bevor die Dunkelheit anfängt zu überwiegen. Zwölf Stunden Licht, zwölf Stunden Dunkel, perfekte Balance, und dann kippt es.
Im keltischen Jahreskreis ist Mabon das zweite von drei Erntefesten. Lammas Anfang August war die erste Ernte, das Getreide. Mabon ist die große Haupternte, Obst, Nüsse, Wein, alles, was der Sommer reif gemacht hat. Und Samhain Ende Oktober ist dann die letzte, die Fleischernte und das Fest der Ahnen.
Mabon ist also ein Dankesfest. Aber es ist auch etwas anderes, und darüber wird selten gesprochen. Es ist ein Moment der Prüfung.
Weil Licht und Dunkel sich an diesem Tag die Waage halten, ist Mabon traditionell auch ein Moment der Bestandsaufnahme. Was habe ich geerntet in diesem Jahr? Und ehrlicher gefragt, was habe ich nicht geerntet, obwohl ich es gesät hatte?
Bei mir ist das dieses Jahr besonders präsent. Ich begleite ja jedes Jahr die Rauhnächte, und diesen Monat haben wir als Orakelkarte das Thema Angst gezogen. Seitdem beschäftige ich mich viel mit meinen eigenen inneren Themen, den wiederkehrenden, die einen immer wieder einholen egal wie oft man glaubt sie abgehakt zu haben.
Und in meiner Arbeit taucht gerade eine ganz ähnliche Frage auf. Wie viel halten wir eigentlich aus, bevor wir bereit sind für Veränderung? Das ist selten eine Frage von Wissen. Meistens kann jemand von außen glasklar sehen was schiefläuft und warum. Und trotzdem braucht es oft Jahre, bis wir es selbst erkennen können.
Mabon fragt genau in diese Lücke hinein. Was siehst du schon, und was liegt noch im Dunkeln?
Die Weintraube ist die klassische Mabon Frucht schlechthin. Sie steht für Fülle, für Genuss, für das Ergebnis einer ganzen Saison Sonne. Und gleichzeitig ist sie eine Frucht, die kaum haltbar ist. Trauben fangen schnell an zu gären, sie wollen verwandelt werden.
Genau das macht sie so passend. Fülle ist nichts, was man einfach lagern kann. Man muss etwas damit machen, sonst verdirbt sie.
Traubenpunsch mit Zimt und Ingwer
Entsafte deine Trauben (Ich packe gerne noch ein paar Holunder-oder Heidelbeeren dazu), entweder mit einem Dampfentsafter oder indem du sie mit etwas Wasser weichkochst und dann durch ein Tuch abseihst. Danach den Saft wieder in den Topf und auf einen Liter Saft kommen zwei Zimtstangen, ein daumengroßes Stück frischer Ingwer in Scheiben und nach Geschmack etwas Honig. Alles zusammen langsam erhitzen, nicht kochen, und zwanzig Minuten ziehen lassen. Heiß trinken oder in sterile Flaschen füllen.
Demeter wird in manchen Überlieferungen die Apfeltragende genannt, und der Apfel gehört zu ihren Hauptattributen. Das ergibt Sinn, denn der Apfel ist eine der ältesten Kulturfrüchte Europas und gleichzeitig eine der symbolträchtigsten.
Schneidet man ihn quer durch, zeigt das Kerngehäuse einen fünfzackigen Stern. Deshalb galt der Apfel in vielen Traditionen als Frucht des verborgenen Wissens. Man sieht es erst wenn man ihn öffnet.
Das finde ich passend für diese Zeit. Manche Dinge erkennt man erst wenn man bereit ist hinzuschauen.
Apfelkompott mit Kardamom
Ein Kilo Äpfel schälen, entkernen, würfeln. Mit einem Schuss Wasser, dem Saft einer halben Zitrone, vier zerdrückten Kardamomkapseln und etwas Honig in einen Topf geben. Zugedeckt bei mittlerer Hitze etwa fünfzehn Minuten weich köcheln lassen. Warm essen oder heiß in Gläser füllen.
Die Esskastanie steckt in einer stacheligen Hülle, die so unangenehm ist, dass man sie kaum anfassen mag. Erst wenn sie reif ist, öffnet sie sich von selbst und gibt frei was drinnen steckt.
Ich finde das ein ziemlich treffendes Bild für das, was mich gerade beschäftigt. Manches schützt sich so lange bis es wirklich so weit ist. Und kein noch so gut gemeinter Versuch von außen kann diesen Moment beschleunigen.
Die Rosskastanie, die man in Parks findet, ist übrigens nicht essbar. Die Esskastanie erkennt man an der deutlich stacheligeren Hülle mit vielen langen Stacheln und an der abgeflachten Form mit einer kleinen Spitze.
Geröstete Maronen
Esskastanien an der runden Seite kreuzweise einschneiden, sonst platzen sie. Bei zweihundert Grad etwa zwanzig bis dreißig Minuten im Ofen rösten, bis die Schale sich an den Schnitten öffnet. Noch warm schälen, sie lassen sich dann am besten pellen.
Der Mohn ist eines von Demeters direkten Attributen, und seine Bedeutung ist doppelt. Er steht für Schlaf und Traum, aber auch für das Vergessen, das manchmal nötig ist, um weiterzugehen.
In den Ritualen zu Ehren Demeters wurden opiumhaltige Getränke gereicht, die in Trancezustände versetzten. Der Mohn markiert also den Übergang zwischen wachem Bewusstsein und dem was darunter liegt.
Bevor du fragst, wir arbeiten hier natürlich mit ganz gewöhnlichem Backmohn, wie er in jedem Supermarkt steht.
Mohnmilch für den Abend
Zwei Esslöffel gemahlener Backmohn mit dreihundert Millilitern Milch oder Pflanzendrink langsam erwärmen, nicht kochen. Eine Prise Muskat, etwas Honig, vom Herd nehmen und fünf Minuten ziehen lassen. Durch ein feines Sieb gießen und langsam trinken, am besten eine Stunde vor dem Schlafengehen.
Brombeeren sind das Ende der Beerensaison. Nach ihnen kommt nichts mehr, und in der Volksüberlieferung gibt es sogar den Brauch nach Michaeli am 29. September keine Brombeeren mehr zu pflücken, weil sie dann angeblich dem Teufel gehören.
Praktisch bedeutete das wohl eher, dass sie durch die Feuchtigkeit ab diesem Zeitpunkt schnell schimmelig und ungenießbar werden.
Aber ich mag dieses Bild trotzdem. Es gibt einen Moment an dem die Ernte zu Ende ist, ob man bereit dafür ist oder nicht.
Brombeergelee mit Vanille
Ein Kilo Brombeeren mit wenig Wasser aufkochen bis sie zerfallen, dann durch ein Tuch abseihen. Auf einen Liter Saft fünfhundert Gramm Gelierzucker und das Mark einer Vanilleschote geben. Vier Minuten sprudelnd kochen lassen, Gelierprobe machen, heiß in Gläser füllen.
Du brauchst dafür, wie immer, keine Zeremonie und kein Ritualhandbuch. Mabon ist ein Fest der Bilanz und der Dankbarkeit.
Koch etwas ein von dem, was jetzt reif ist. Beim Rühren kannst du zurückschauen auf das Jahr, auf das was gewachsen ist und auf das, was nicht aufgegangen ist. Beides gehört dazu.
Deck dir einen kleinen Tisch mit dem, was du geerntet oder gekauft hast. Ein paar Äpfel, Nüsse, Weintrauben, eine Kerze. Einfach eine Ecke, die zeigt, dass hier gerade etwas gewürdigt wird.
Und wenn du magst, schreib zwei Listen. Eine mit dem, was du dieses Jahr geerntet hast, und eine mit dem, was du gesät hast das nicht aufgegangen ist. Die zweite Liste ist die interessantere.
Denn genau da sitzt oft die Frage, die mich gerade selbst beschäftigt. Wie viel halten wir aus bevor wir bereit sind etwas zu verändern?
Willst du immer weiter aushalten was längst nicht mehr trägt, oder schaust du dir heute ehrlich an was noch Erntepotenzial hat?
Bist du bereit deine Geschichte neu zu schreiben?
PS: Falls du noch mehr Mabon brauchst, habe ich hier noch einen Blog für dich.
Ich, Ann-Kathrin, war einmal die Frau, die in Räumen unsichtbar wurde. Die ihre Meinung schluckte, bevor sie ausgesprochen war. Die lernte, dass Liebe etwas ist, das man sich verdient durch Anpassung, durch Schweigen, durch das Verschwinden der eigenen Bedürfnisse.
Mit 23 konnte ich manchmal kaum aufstehen. Nicht weil mein Körper krank war, sondern weil meine Seele unter einem Gewicht lag, das ich nicht benennen konnte. Bis zu dem Tag, an dem ich zum ersten Mal von Coaching hörte. Von der Idee, dass Geschichten nicht festgeschrieben sind.
Heute bin ich Story Alchemistin. Ich begleite Frauen auf dem Weg von der Gefangenen zur Schöpferin ihrer eigenen Geschichte. Mit den Archetypen wilder Göttinnen als Wegweiserinnen. Mit der uralten Weisheit, dass Transformation Zerstörung verlangt.
Die alte Geschichte niederbrennen. Die neue aus der Asche erschaffen. Das ist meine Arbeit. Das ist Story Alchemie.
Und genau diesen Weg gehe ich mit Frauen, die bereit sind, ihre eigene Verwandlung zu wagen.