Die Pflanzen der Magierin

5 Kräuter für Verwandlung

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Gerade habe ich zwei Wochen Urlaub und merke, wie sich mein Akku täglich ein Stückchen mehr auflädt. In meinem Beruf bin ich viel im Leben anderer Menschen unterwegs, höre zu, fühle mit, halte den Raum. Und jetzt sind da einfach mal zwei Wochen, die mir gehören, mit meinen Bedürfnissen, meinem Tempo und meinen drei Romanen, die ich parallel lese.

Ja, drei. Ein Hörbuch beim Nähen für die Spannung, ein Vormittagsbuch zum Träumen und ein fantastisches vor dem Einschlafen. Klingt vielleicht chaotisch, ist aber tatsächlich der reinste Urlaub für meine Seele.

Und irgendwo zwischen dem Nähen und dem Träumen ist mir aufgefallen, dass genau das die Vorbedingung für alles ist was die Magierin tut. Cerridwen hat ein Jahr und einen Tag gesammelt, bevor sie brauen konnte. Kräuter, Wurzeln, sogar den Schaum der Meereswellen. 

Deshalb geht es heute um die Pflanzen der Magierin. Um das, was in den Kessel kommt.

Kurze Ehrlichkeit vorweg

Es heißt Cerridwen habe ihren Trank aus sieben magischen Kräutern gerührt. Welche das waren, ist historisch nicht überliefert, und ich möchte hier nichts erfinden was gut klingt aber nicht stimmt.

Ich stelle dir stattdessen fünf Pflanzen vor die seit jeher mit Magie, Verwandlung und weiblicher Kraft verbunden sind, die im August tatsächlich in Deutschland wachsen und die du dir wirklich holen kannst. Denn dafür sind Geschichten da, um uns zu inspirieren und nicht Wort für Wort zu wiederholen. 

Beifuß, die Königin der Räucherkräuter

Beifuß wächst an Wegrändern, an Bahndämmen, überall dort wo niemand ihn gepflanzt hat, und genau das mag ich an ihm. Er war über Jahrtausende die wichtigste Räucherpflanze Europas, wurde der Artemis geweiht und galt als Schutzpflanze für Reisende, Gebärende und alle die sich zwischen Welten bewegen.

Beim Räuchern riecht er herb und leicht süßlich, ein bisschen wie warmes Heu mit einer bitteren Note dahinter. Ihm wird zugeschrieben Träume zu vertiefen und Klarheit in verworrene Situationen zu bringen.

Für die Magierin ist er sozusagen die Grundausstattung. Er markiert den Übergang, den Moment, in dem der Alltag aufhört und etwas anderes anfängt. Wenn du diesen August ein einziges Kraut sammeln willst, dann dieses. Er blüht gerade überall.

Räucherbündel für Übergänge

Sammle etwa zehn Beifußstängel, am besten am späten Vormittag, wenn der Tau getrocknet ist. Lege sie so übereinander, dass alle Blütenspitzen in dieselbe Richtung zeigen, und binde sie mit Naturgarn oder Baumwollfaden fest zusammen, von unten nach oben und wieder zurück, ruhig ordentlich stramm, weil sie beim Trocknen schrumpfen. Häng das Bündel kopfüber an einen luftigen dunklen Ort und lass es zwei bis drei Wochen trocknen.

Zum Räuchern zündest du die Spitze an, pustest die Flamme aus und lässt es glimmen. Das reicht für ein ganzes Zimmer.

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Johanniskraut, das eingefangene Licht

Johanniskraut blüht rund um die Sommersonnenwende und wird meist zu dieser Zeit gesammelt, aber im August findet man es noch. Wenn du eine Blüte zwischen den Fingern zerreibst, färbt sich deine Haut rot, weshalb es früher Blut des Johannes genannt wurde.

Was mich daran fasziniert ist wie wörtlich diese Pflanze Licht speichert. Man legt die Blüten in Öl, stellt es in die Sonne, und nach ein paar Wochen ist das Öl tiefrot. Sonnenlicht, konserviert. Als Öl auf der Haut, in dunklen Monaten.

Das ist Magierinnen-Arbeit in ihrer schönsten Form. Nimm was jetzt im Überfluss da ist und mach etwas daraus das dich später trägt. Genau wie meine Marmelade, nur eben mit Licht statt mit Obst.

Rotöl, das eingefangene Sonnenlicht

Sammle die frisch geöffneten Blüten an einem trockenen sonnigen Tag, du brauchst ungefähr eine Handvoll für ein kleines Schraubglas. Fülle die Blüten locker ein und gieße gutes Olivenöl oder Sonnenblumenöl darüber, bis alles bedeckt ist, mindestens zwei Finger breit.

Stell das Glas an einen sonnigen Platz, Fensterbank ist perfekt, und schüttle es täglich einmal. Nach etwa vier bis sechs Wochen ist das Öl tiefrot. Dann abseihen, in eine dunkle Flasche füllen und kühl lagern.

Wichtig zu wissen: Johanniskrautöl macht die Haut lichtempfindlich, also lieber abends verwenden.

Schafgarbe, die Grenzenzieherin

Schafgarbe steht jetzt überall auf Wiesen, weiß oder zartrosa, mit diesen fein gefiederten Blättern. Sie gilt als eine der ältesten Frauenpflanzen überhaupt und war früher fester Bestandteil jeder Kräuterfrau-Ausstattung.

Interessant ist ihre Doppelfunktion. Sie wird eingesetzt, um Blutungen zu stillen und gleichzeitig, um Blockaden zu lösen. Sie hält zusammen und öffnet, je nachdem, was gerade gebraucht wird.

Genau deshalb finde ich sie so passend für die Frage, die mich beschäftigt. Ich merke, wie gut mir diese zwei Wochen tun, in denen ich mich um mich kümmere, und wie schwer es mir im Alltag oft fällt, diese Grenze zu ziehen. Schafgarbe erinnert daran, dass Grenzen keine Mauern sind. Sie sind Häute, durchlässig genug für das Richtige, fest genug für alles andere.

Tee für die eigenen Grenzen

Ernte die Blüten und die oberen zarten Blätter, gut eine Handvoll, und lass sie kopfüber gebündelt trocknen bis sie rascheln.

Für den Tee nimmst du zwei Teelöffel getrocknetes Kraut auf eine große Tasse, übergießt es mit kochendem Wasser und lässt es zugedeckt sieben bis zehn Minuten ziehen. Der Geschmack ist leicht herb und würzig, mit Honig wird er weicher.

Ich trinke ihn gerne, wenn ich merke, dass ich mich in den letzten Tagen zu weit ausgestreckt habe.

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Wermut, die unbequeme Wahrheit

Wermut ist bitter. Richtig bitter. Wenn du mal ein Blatt probierst, wirst du das Gesicht verziehen, und das ist genau der Punkt.

Bitterstoffe regen die Verdauung an, im Körperlichen wie im Übertragenen. Wermut wurde verwendet, um zu klären, um Altes loszuwerden, um Dinge in Bewegung zu bringen die feststecken. Er ist auch Bestandteil von Absinth, was ihm einen ziemlich schillernden Ruf eingebracht hat.

Im Kessel der Magierin darf das Bittere nicht fehlen. Cerridwen selbst sagt ja, dass man bei ihr durchgesiebt, zerstampft und neu zusammengesetzt wird. Manchmal braucht Verwandlung eine Zutat die weh tut. Ein Gespräch, das man führen muss, eine Wahrheit, die man endlich zulässt, eine Entscheidung, die keine Sympathiepunkte bringt.

Bittertropfen für die Klarheit

Fülle ein sauberes Schraubglas locker mit frischem oder getrocknetem Wermutkraut und gieße hochprozentigen klaren Alkohol darüber, Doppelkorn oder Wodka mit mindestens vierzig Prozent. Alles muss bedeckt sein. Verschließ das Glas und stell es für vier Wochen an einen dunklen Ort, schüttle es alle paar Tage.

Danach abseihen und in ein Tropfglas füllen. Fünf bis zehn Tropfen in etwas Wasser vor dem Essen.

Achtung: Wermut ist in der Schwangerschaft tabu, und mehr ist hier definitiv nicht besser. Bei Unsicherheit lieber einmal in der Apotheke nachfragen.

Holunder, die Hollerfrau am Übergang

Der Holunder trägt gerade seine dunklen Beeren, und wenn du einen im Garten hast, weißt du wie viel er gleichzeitig hergibt. Im Frühsommer die Blüten, jetzt im Spätsommer die Beeren.

In der Volksüberlieferung wohnt in ihm die Hollerfrau, eine Schutzgeistin die man um Erlaubnis fragte, bevor man einen Zweig schnitt. Der Holunder stand meist direkt am Haus, an der Grenze zwischen Innen und Außen, und galt als Hüterin dieses Übergangs.

Und jetzt kommt die Frage, die mich gerade beschäftigt und die perfekt hierher passt. Ich habe für mich gemerkt, dass mein größtes Talent darin liegt ein Nest zu bauen. Einen Ort zu schaffen an dem Menschen zusammenkommen, sich verbinden, sich wohl und geborgen fühlen. Der Holunder tut genau das seit Jahrhunderten, er steht da wo innen und außen sich treffen und hält den Raum.

Aus den Beeren wird Sirup, Saft, Gelee. Aus dem Baum wird ein Schutz. Magisch.

Sirup für die dunklen Monate

Ernte die vollreifen dunklen Dolden, ungefähr ein Kilo, und streife die Beeren mit einer Gabel von den Stielen. Die Stiele sind giftig, also wirklich alle grünen Teile aussortieren.

Die Beeren mit einem kleinen Schuss Wasser in einen Topf geben und aufkochen lassen, bis sie platzen, etwa zehn Minuten. Dann durch ein Tuch abseihen und den Saft auffangen. Auf einen Liter Saft kommen etwa siebenhundert Gramm Zucker und der Saft einer Zitrone. Alles nochmal aufkochen, fünf Minuten sprudelnd kochen lassen und heiß in sterile Flaschen füllen.

Roher Holunder ist übrigens unbekömmlich, gekocht wird er zum reinsten Winterschatz. Schau auch beim sammeln genau hin, es gibt Verwechslungsgefahr. Echter schwarzer Holunder hat weiße bis cremefarbene Blütendolden mit fünf Blütenblättern und einen ganz charakteristischen Duft, die reifen Beeren hängen schwer nach unten und sind tiefschwarz-violett. Der giftige Zwerg-Holunder wächst niedriger, riecht unangenehmer und seine Dolden stehen eher aufrecht. Im Zweifel lieber einmal googeln oder mit jemandem absprechen der sich auskennt, bevor du sammelst.

Was du damit machen kannst

Du brauchst keinen Kräutergarten und kein Fachwissen. Geh raus und schau was da ist. Beifuß findest du garantiert an irgendeinem Wegrand, Schafgarbe auf jeder ungemähten Wiese, Holunder am Waldrand.

Trockne was du sammelst, häng es kopfüber an einen luftigen Ort, und in ein paar Wochen hast du deine eigene kleine Kräuterapotheke. Räuchern kannst du fast alles davon auf einer Räucherkohle. Johanniskrautöl braucht nur Blüten, ein Glas und Sonne.

Und wenn du gerade wie ich in einer Phase bist, in der du dich um dich selbst kümmerst, dann sammle einfach mal ohne Plan. Cerridwen hat auch ein Jahr und einen Tag gesammelt, bevor irgendwas gebraut wurde.

Willst du immer weiter warten bis du weißt wozu, oder fängst du heute an zu sammeln was dir begegnet?

Bist du bereit deine Geschichte neu zu schreiben?

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Die Pflanzen der Magierin – 5 Kräuter für Verwandlung

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Über mich

Ich, Ann-Kathrin, war einmal die Frau, die in Räumen unsichtbar wurde. Die ihre Meinung schluckte, bevor sie ausgesprochen war. Die lernte, dass Liebe etwas ist, das man sich verdient durch Anpassung, durch Schweigen, durch das Verschwinden der eigenen Bedürfnisse.

Mit 23 konnte ich manchmal kaum aufstehen. Nicht weil mein Körper krank war, sondern weil meine Seele unter einem Gewicht lag, das ich nicht benennen konnte. Bis zu dem Tag, an dem ich zum ersten Mal von Coaching hörte. Von der Idee, dass Geschichten nicht festgeschrieben sind.

Heute bin ich Story Alchemistin. Ich begleite Frauen auf dem Weg von der Gefangenen zur Schöpferin ihrer eigenen Geschichte. Mit den Archetypen wilder Göttinnen als Wegweiserinnen. Mit der uralten Weisheit, dass Transformation Zerstörung verlangt.

Die alte Geschichte niederbrennen. Die neue aus der Asche erschaffen. Das ist meine Arbeit. Das ist Story Alchemie.

Und genau diesen Weg gehe ich mit Frauen, die bereit sind, ihre eigene Verwandlung zu wagen.

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