Samhain

Wenn die Ahnen zu Besuch kommen und die Rauhnachtszeit beginnt

Bild erstellt mit KI-Unterstützung

Falls du mir in den letzten Tagen eine Nachricht geschrieben hast und noch auf Antwort wartest, dann verzeih mir bitte, ich bin gerade ein bisschen verschwunden. Mein Handy liegt meistens irgendwo unter einem Stapel Papier, der Tee wird kalt, bevor ich ihn trinke, und ich habe mich so gründlich aus allem Sozialen zurückgezogen, dass selbst meine Pflanzen mich vermutlich für eine Einsiedlerin halten. Eine Weile habe ich mich darüber geärgert, weil ich nicht benennen konnte, woran es liegt. Ich war müde, irgendwie leer und, ganz ehrlich, auch ziemlich gereizt.

Und dann habe ich auf den Kalender geschaut und musste lachen. Natürlich. Samhain steht vor der Tür, das Jahr zieht sich in die Erde zurück, und ich sitze mittendrin in meiner Kreativwerkstatt zwischen halb fertigen Ideen, Papierschnipseln und Notizen, die außer mir niemand entziffern kann, um etwas Neues zu schöpfen. Mein Körper wusste offenbar schon längst, welche Jahreszeit gerade dran ist, während mein Kopf noch dachte, er müsse überall erreichbar sein.

Kennst du das auch, dass du dich zurückziehst und erst hinterher verstehst, warum?

Was Samhain eigentlich ist

In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November feierten die Kelten Samhain, und der Name wird oft mit „Sommerende“ übersetzt. Sprachforscher diskutieren bis heute über diese Übersetzung und auch über die Frage, ob Samhain wirklich das keltische Neujahr war. Durch die alten irischen Erzählungen zieht sich dafür wie ein roter Faden das Gefühl, dass in dieser Nacht etwas Besonderes geschieht. Viele Sagen spielen genau an Samhain, Helden begegnen Wesen aus der Anderswelt, und die Grenze zwischen den Lebenden und den Toten wird so dünn, dass man hindurchgreifen könnte.

Für die Menschen damals war es die Zeit, in der das Vieh von den Weiden geholt, die letzte Ernte eingebracht und entschieden wurde, wer und was über den Winter kommt. Ein ziemlich praktischer Anlass, und über allem lag dieser Zauber von Feuer, Dunkelheit und Erinnerung. Aus den ausgehöhlten Rüben, die man in Irland und Schottland mit Glut füllte, wurden übrigens viel später in Amerika die Kürbisse, die heute auf unseren Fensterbänken grinsen.

Die Alte Weise übernimmt das Jahr

Diesen Oktober haben wir die Weise begleitet, mit Minerva, ihrer Eule und ihrem Olivenbaum. Zu Samhain zeigt sich die Weise noch einmal von einer anderen, sehr alten Seite. In den Erzählungen aus Schottland und Irland übernimmt jetzt die Cailleach das Ruder, die alte Frau des Winters, die mit ihrem Stab über die Hügel zieht und bis zum Frühling über die dunkle Jahreszeit herrscht (übrigens gibt es über sie eine wunderbare Hörgeschichte in unserem Rauhnachtsprogramm!).

Ich mag sie unglaublich gern, weil sie herrlich unlieblich ist, wild, ehrlich und ein wenig unbequem, und weil sie dich mit ihren klaren Augen fragt, was du wirklich mit in den Winter nehmen willst. Alles andere darf mit den letzten Blättern zu Boden fallen. Vielleicht ist meine Gereiztheit der letzten Tage ja ein kleiner Besuch von ihr gewesen, die alte Dame war schließlich noch nie für ihre Geduld mit Nebensächlichkeiten bekannt.

Bild erstellt mit KI-Unterstützung

Die Frauen, die vor uns da waren

An Samhain, so heißt es, kommen die Ahnen zu Besuch. In Irland wurde früher Essen für die Verstorbenen bereitgestellt, Türen blieben einen Spalt offen, und in den Fenstern brannten Lichter, damit die Seelen den Weg nach Hause finden.

Wenn ich in diesen kühlen Abenden an meine Ahninnen denke, dann sehe ich eine lange Reihe von Frauen hinter mir stehen. Großmütter, Urgroßmütter und all die Frauen davor, deren Namen ich nie erfahren werde, die gebacken, gesät, geliebt, getrauert und einfach weitergemacht haben, auch wenn die Winter lang waren. Aufgeschrieben hat ihre Geschichten kaum jemand, sie leben in uns weiter, in unseren Händen, in unserem Lachen und manchmal auch in unseren alten Mustern.

Samhain lädt uns ein, uns mit dieser Linie zu verbinden. Etwas Dankbarkeit für das, was sie uns mitgegeben haben, und eine Portion Mut, das abzulegen, was wir nicht weitertragen wollen. Beides darf nebeneinander stehen, und beides gehört zur Weisheit dieser Nacht.

Warum Rückzug zum Schöpfen dazugehört

Ich glaube, wir haben verlernt, die dunkle Zeit als Geschenk zu sehen. Draußen in der Natur passiert gerade so viel, auch wenn es aussieht, als würde alles schlafen. Die Samen liegen in der Erde, die Wurzeln sammeln Kraft, und die Bäume ziehen ihren Saft nach innen, um im Frühling wieder auszutreiben.

Mit uns ist es ganz ähnlich. Wenn wir uns zurückziehen, sind wir für die Welt vielleicht eine Weile unsichtbar, während innen gesponnen, sortiert und neu zusammengesetzt wird. Meine Kreativwerkstatt fühlt sich gerade genauso an, wie eine kleine Höhle unter der Erde, in der etwas wächst, das noch niemand sehen darf. Und ja, dazu gehört auch, dass ich manchmal müde und kratzbürstig bin, denn wer neu schöpft, verbraucht eben ziemlich viel Kraft.

Vielleicht darfst du dir das in diesem Jahr auch erlauben. Weniger Termine, weniger Erklärungen und ein bisschen mehr Höhle.

Wie du Samhain feiern kannst

Für Samhain reichen ein paar kleine Gesten völlig, um dich mit dieser besonderen Nacht zu verbinden, den Hexenkessel darfst du also gern im Schrank lassen.

Stell am Abend eine Kerze ins Fenster, für alle Menschen, die du vermisst, und für die Ahninnen, die du nie kennenlernen durftest. Wenn du magst, deckst du beim Abendessen ein Gedeck mehr auf und legst ein kleines Stück von deinem Essen darauf, als stille Einladung an jene, die nicht mehr am Tisch sitzen. Das klingt vielleicht erst einmal seltsam und fühlt sich dann erstaunlich warm an.

Nimm dir außerdem ein Blatt Papier und schreib einen Brief an die Frauen deiner Linie. Erzähl ihnen, wie es dir geht, was du von ihnen bewahren möchtest und was du mit diesem Jahr gehen lässt. Den Teil zum Loslassen kannst du anschließend in einer feuerfesten Schale verbrennen und die Asche am nächsten Morgen der Erde übergeben, natürlich mit genug Abstand zu Gardinen und neugierigen Katzen.

Und wenn dir nach Bewegung ist, dann geh in der Dämmerung spazieren und lausch, wie still es draußen geworden ist. Die Cailleach ist eine Wanderin, sie freut sich bestimmt über Gesellschaft.

Bild erstellt mit KI-Unterstützung

Die Rauhnachtszeit beginnt

Mit Samhain beginnt für mich auch eine ganz besondere Zeit im Jahr, denn ab jetzt bewegen wir uns Schritt für Schritt auf die Rauhnächte zu. Die dunkelste Phase des Jahres liegt vor uns, und mit ihr diese zwölf zauberhaften Nächte zwischen den Jahren, in denen wir auf das Vergangene schauen und das Neue erträumen.

Ab Samhain ist unser kostenloser Mini-Kurs „Magische Rauhnächte“ wieder für dich geöffnet. Wenn du die Rauhnächte schon einmal vorfühlen möchtest, bevor es so richtig losgeht, findest du ihn hier. Und während du hineinschnupperst, sitze ich weiter in meiner Höhle und schöpfe gemeinsam mit Sabrina an der Vollversion, die auch in diesem Jahr wieder mit wundervollen Inhalten auf dich wartet. Mehr verrate ich noch nicht, die Cailleach hat mir Schweigen verordnet.

Was dir Samhain zeigt

Das Jahr geht zu Ende, ganz leise, und es nimmt alles mit, was wir ihm freiwillig überlassen. Was bleibt, sinkt in die Erde und wartet dort auf seinen Moment.

Ich weiß noch nicht genau, was in meiner Werkstatt alles wachsen wird, und das ist vollkommen in Ordnung so. Für den Moment reicht mir eine Kerze im Fenster, eine Kanne Tee und das Gefühl, dass hinter mir eine lange Reihe von Frauen steht, die all das schon kannten. Übrigens in meinem Jahreskreisguide stehen auch noch weitere Ideen und Reflexionsfragen für dich bereit.

Willst du immer weiter funktionieren, als gäbe es keine dunkle Jahreszeit, oder ziehst du dich dieses Jahr mit den Ahninnen in deine eigene Höhle zurück und schöpfst neu?

Bist du bereit deine Geschichte neu zu schreiben?

Hier geht´s weiter...

Samhain – Wenn die Ahnen zu Besuch kommen

Samhain ist die Nacht, in der sich das Jahr in die Erde zurückzieht und die Ahnen zu Besuch kommen. In diesem Blog erfährst du, was hinter dem alten keltischen Fest steckt, warum jetzt die Cailleach das Jahr übernimmt und wieso Rückzug zum Neuschöpfen einfach dazugehört. Dazu gibt es kleine Rituale für deinen Samhain-Abend und einen Blick auf die Rauhnachtszeit, die mit dieser Nacht beginnt.

Die Pflanzen der Weisen

Salbei, Thymian, Pfefferminze, Ingwer, Rosmarin und Minervas Olivenbaum bilden zusammen eine kleine Versammlung weiser Pflanzen für die dunkle Jahreszeit. In diesem Blog erfährst du, welche Geschichten und Mythen in ihnen stecken und wie sie dir an Herbstabenden zu mehr Klarheit und einem leiseren inneren Kritiker verhelfen. Dazu gibt es ein Klarheits-Ritual zum Tee, mein Abendtee-Rezept und ein duftendes Rosmarinsalz zum Selbermachen.

Minerva – Warum echte Weisheit in den Händen beginnt

Minerva ist auf Wunsch meiner Community in den Oktober eingezogen und hat ihre Eule gleich mitgebracht. In diesem Blog erzähle ich dir, was Eule, Schild, Speer und Webstuhl über die Weise in dir verraten und warum das Wort Magie mit den „weisen Menschen“ verwandt ist. Zum Schluss schauen wir auch auf Minervas Schattenseite, denn an der Geschichte von Arachne sieht man, wie schnell aus der Weisen eine strenge Richterin werden kann.

Über mich

Ich, Ann-Kathrin, war einmal die Frau, die in Räumen unsichtbar wurde. Die ihre Meinung schluckte, bevor sie ausgesprochen war. Die lernte, dass Liebe etwas ist, das man sich verdient durch Anpassung, durch Schweigen, durch das Verschwinden der eigenen Bedürfnisse.

Mit 23 konnte ich manchmal kaum aufstehen. Nicht weil mein Körper krank war, sondern weil meine Seele unter einem Gewicht lag, das ich nicht benennen konnte. Bis zu dem Tag, an dem ich zum ersten Mal von Coaching hörte. Von der Idee, dass Geschichten nicht festgeschrieben sind.

Heute bin ich Story Alchemistin. Ich begleite Frauen auf dem Weg von der Gefangenen zur Schöpferin ihrer eigenen Geschichte. Mit den Archetypen wilder Göttinnen als Wegweiserinnen. Mit der uralten Weisheit, dass Transformation Zerstörung verlangt.

Die alte Geschichte niederbrennen. Die neue aus der Asche erschaffen. Das ist meine Arbeit. Das ist Story Alchemie.

Und genau diesen Weg gehe ich mit Frauen, die bereit sind, ihre eigene Verwandlung zu wagen.

Sagas Briefe

Komm in meine Welt

Mein Newsletter hält dich immer auf dem Laufenden was in meiner Welt passiert. Du erfährst alles über Göttinnen, Jahreskreisfeste und erhältst exklusive Einladungen. Werde Teil meiner magischen Welt