Cerridwen

6 Anzeichen, dass die Magierin in dir erwacht

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Letztes Wochenende war magisch. Wir haben mit der ersten Runde Einkochen begonnen. Kirschpflaume mit Rosmarin, Brombeer-Heidelbeer mit einer Prise Rosenthymian, dazu noch Senfgurken eingelegt. Alles aus unserer eigenen Ernte, und die Küche roch stundenlang nach Sommer und Zucker und diesem leicht scharfen Essigduft, der einem in die Nase steigt. Und irgendwann stand ich da mit dem Holzlöffel in der Hand und dachte, das ist es eigentlich. Das ist Magie.

(Leider) Kein Zauberstab, kein Rauch, keine geheimnisvolle Geste, vielleicht ein paar Flüche hier und da. Dafür Obst, Hitze, Zeit, Farben und die Bereitschaft dabei zu bleiben bis aus dem einen das andere geworden ist.

Der August gehört bei mir der Magierin, und ihre Göttin ist Cerridwen, die walisische Kesselhüterin. Und je länger ich mich mit ihr beschäftige, desto klarer wird mir, dass wir die Magierin völlig falsch verstanden haben.

Was die Magierin wirklich ist

Wenn wir Magierin hören, denken die meisten von uns an etwas Spektakuläres. An jemanden der die Realität biegt, der etwas aus dem Nichts erschafft, der über Kräfte verfügt die andere nicht haben.

Aber die Magierin arbeitet ganz anders. Sie erschafft nichts aus dem Nichts, sie nimmt was schon da ist und verwandelt es. Obst wird zu Marmelade, Kräuter werden zu Medizin, Erfahrung wird zu Weisheit, Schmerz wird irgendwann zu Kunst.

Cerridwen zeigt das sehr deutlich. In der walisischen Überlieferung braut sie einen Trank der Weisheit und Inspiration verleihen soll, und sie braucht dafür ein Jahr und einen Tag. Ein Jahr und einen Tag Rühren, Warten, Bewachen, Nachlegen.

Und genau daran erkennt man die Magierin. Sie kennt den Prozess dazwischen und sie hält ihn aus.

Wer ist Cerridwen?

Falls du sie noch nicht kennst, ihre Geschichte lohnt sich, weil sie ziemlich viel darüber erzählt, wie Verwandlung wirklich funktioniert.

Cerridwen ist eine walisische Göttin, Muttergöttin, Mondgöttin und Schützerin der Regeneration, der Inspiration, der Magie und Astrologie, der Kräuter, Wissenschaft, Poesie, der Zaubersprüche und Weisheit, Göttin des Todes und der Wiedergeburt (Ziemlich viele Aufgaben auf einmal).

Cerridwen hatte drei Kinder, darunter Afangdu, einen Sohn, der außergewöhnlich hässlich war. Weil sie ihn liebte und fürchtete, dass die Welt ihm hart begegnen würde, beschloss sie ihm Weisheit zu schenken. Sie braute einen Trank, ein Jahr und einen Tag lang, unter sorgfältiger Beobachtung von Mond, Sonne und jedem einzelnen Stern. Sie fügte Kräuter hinzu, Wurzeln, sogar den Schaum der Meereswellen. Neun Druidinnen sollen dabei die Patinnen gewesen sein.

Weil der Trank ständig gerührt werden musste, bat sie ihren Gehilfen Gwion diese Aufgabe zu übernehmen, während sie weitere Kräuter suchte. Und verbot ihm ausdrücklich davon zu trinken.

Dann spritzten ein paar Tropfen auf seine Finger. Er verbrannte sich, leckte sie instinktiv ab, und in dieser einen Sekunde ging die gesamte Kraft auf ihn über. Ein Jahr Arbeit, und der Trank war für ihren Sohn wertlos geworden.

Cerridwen jagte ihn. Er wurde zum Hasen, sie zum Windhund. Er zum Fisch, sie zum Otter. Er zum Vogel, sie zum Falken. Bis er sich in ein Korn verwandelte und sie zur Henne wurde und ihn verschluckte. Neun Monate später gebar sie ihn als Taliesin, den größten Barden des keltischen Mythos.

Sie hätte ihn töten können. Stattdessen hat sie ihn in sich aufgenommen und neu geboren. Die Verwandlung ging weiter, auch als ihr Plan zerbrochen war, und am Ende ist etwas entstanden das größer war als das was sie ursprünglich wollte.

Es gibt übrigens ein Zitat, das ihr zugeschrieben wird und das ich sehr treffend finde. Sie sagt sinngemäß, dass man bei ihr willkommen ist, aber im Kessel dann durchgesiebt, verrührt, aufgelöst, neu zusammengesetzt und in den Kreislauf zurückgeschickt wird. Verwandlung ist eben kein sanfter Prozess.

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Also, wie erkennst du sie in dir?

Hier sind sechs Anzeichen, und ich verspreche dir, sie sehen viel unspektakulärer aus als du denkst.

Das erste ist, wenn du merkst, dass du Rückzug brauchst und ihn dir auch nimmst. Ich hatte diese Woche so eine Phase, einfach mal gar nichts machen, die Energietanks wieder auffüllen. Früher hätte ich mich dafür geschämt oder das mit Produktivität kaschiert. Inzwischen weiß ich, dass die Stille zum Prozess gehört. Cerridwen hat ihren Kessel auch nicht nebenbei bewacht.

Das zweite zeigt sich in der Zwischenwelt. Das Alte ist vorbei, das Neue noch nicht da, und du hängst irgendwo dazwischen, ohne zu wissen, was als nächstes kommt. Viele meiner Klientinnen sitzen gerade genau dort. Das fühlt sich meistens furchtbar an, und trotzdem ist es der Ort an dem Verwandlung überhaupt erst passiert. Wer das aushält, ohne panisch etwas zu erzwingen, arbeitet bereits magisch.

Das dritte ist, wenn du anfängst deine Energie zu schützen. Das ist die Frage, die mich gerade selbst beschäftigt, wie schütze ich meine Kraft damit ich überhaupt erschaffen kann. Denn Verwandlung braucht Brennstoff, und wenn der ständig ins Außen verpufft, bleibt für den eigenen Kessel nichts übrig.

Das vierte erkennst du daran, dass du Muster siehst, wo andere Zufälle sehen. Du merkst, wie Dinge zusammenhängen, wie sich etwas wiederholt, wie eine Situation heute an eine von damals erinnert. Diese Mustererkennung ist eine der  stärksten Fähigkeiten der Magierin.

Das fünfte ist, wenn du aus dem Schwierigen etwas machst. Der schmerzhafte Sommer wird zum Text, die Erschöpfung zur Grenze, die Enttäuschung zu einer Klarheit, die du vorher nicht hattest. Das ist der Kessel bei der Arbeit.

Und das Sechste ist vielleicht das schönste. Du weißt Dinge, ohne sagen zu können woher. Ein Bauchgefühl das sich später als richtig herausstellt, ein Impuls, dem du folgst, ohne Begründung, eine Ahnung, die dich nicht loslässt. Cerridwens Trank sollte genau das schenken, dieses Wissen, das aus einer anderen Ebene kommt als der Verstand.

Warum das gerade jetzt wichtig ist

Wir stehen im August, nach Lughnasadh, mitten in der Erntezeit. Die Felder werden abgeräumt, die Gärten geben ihr Bestes, das Licht wird langsam weicher. Und der Jahreskreis stellt uns dabei eine sehr konkrete Frage. Was fängst du an mit dem, was du geerntet hast?

Denn Ernte allein reicht nicht. Die Kirschpflaumen wären in ein paar Tagen schlecht geworden, die Gurken auch. Erst durch die Verwandlung wird daraus etwas das trägt, das haltbar ist, das mich im Winter noch nährt.

Genauso ist es mit allem anderen. Mit den Erfahrungen dieses Jahres, mit den Erkenntnissen, mit dem was gewachsen ist. Es liegt da und will bearbeitet werden.

Das ist die Einladung der Magierin. Nicht mehr sammeln. Verwandeln was schon da ist.

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Und wo fängst du an?

Vielleicht mit einer sehr einfachen Frage. Was liegt gerade in deinem Leben herum und wartet darauf verwandelt zu werden?

Es kann eine Erfahrung sein, die noch roh ist, eine Erkenntnis, die du noch nicht in Worte gefasst hast, oder buchstäblich ein Korb Zwetschgen auf deiner Küchenanrichte.

Fang klein an. Cerridwen hat auch nur einen Kessel gehabt und ziemlich viel Geduld.

Willst du immer weiter sammeln ohne je etwas daraus zu machen, oder stellst du heute deinen eigenen Kessel auf?
Bist du bereit deine Geschichte neu zu schreiben?

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Über mich

Ich, Ann-Kathrin, war einmal die Frau, die in Räumen unsichtbar wurde. Die ihre Meinung schluckte, bevor sie ausgesprochen war. Die lernte, dass Liebe etwas ist, das man sich verdient durch Anpassung, durch Schweigen, durch das Verschwinden der eigenen Bedürfnisse.

Mit 23 konnte ich manchmal kaum aufstehen. Nicht weil mein Körper krank war, sondern weil meine Seele unter einem Gewicht lag, das ich nicht benennen konnte. Bis zu dem Tag, an dem ich zum ersten Mal von Coaching hörte. Von der Idee, dass Geschichten nicht festgeschrieben sind.

Heute bin ich Story Alchemistin. Ich begleite Frauen auf dem Weg von der Gefangenen zur Schöpferin ihrer eigenen Geschichte. Mit den Archetypen wilder Göttinnen als Wegweiserinnen. Mit der uralten Weisheit, dass Transformation Zerstörung verlangt.

Die alte Geschichte niederbrennen. Die neue aus der Asche erschaffen. Das ist meine Arbeit. Das ist Story Alchemie.

Und genau diesen Weg gehe ich mit Frauen, die bereit sind, ihre eigene Verwandlung zu wagen.

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