3 Sätze die Durga sprechen würde

und die du dir von ihr klauen kannst

Ich habe nie richtig gelernt, wie man wertschätzend und aufrichtig kommuniziert. Was ich gelernt habe, war eher wie man redet, wenn einem etwas nicht passt, nämlich laut und vorwurfsvoll und so, dass der andere klein wird und man selbst sich groß fühlt für einen Moment.

Ich habe das lange am eigenen Körper gespürt. Die Art wie mit mir geredet wurde, wenn jemand unzufrieden mit mir war, hat etwas in mir kleiner gemacht, jedes Mal. Irgendwann wollte ich das nicht mehr, weder wie es mit mir gemacht wurde, noch wie ich es unbewusst selbst weitergab.

Ich wollte einen Weg finden zu sagen, was ich fühle, ohne dass es klingt wie ein Vorwurf, ohne jemanden mutwillig damit anzugreifen und zu verletzen. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich lernen muss zu sagen: Das will ich nicht, so möchte ich nicht behandelt werden. Aber ohne Drama und ohne Rechtfertigung, einfach als ehrliche Information.

Dabei ist mir Durga begegnet. Die hinduistische Kriegsgöttin mit den acht Armen wurde gerufen, weil kein anderer Gott die Aufgabe bewältigen konnte, und sie kam ruhig, auf ihrem Löwen, ohne Entschuldigung für ihr Dasein.

Was mich an ihr fasziniert, ist die Verbindung von Mitgefühl und Klarheit in ein und derselben Figur. Sie kämpft für Schutz und für Gleichgewicht, sie vernichtet das, was schadet, damit das, was liebt weiterbestehen kann. Das hat gar nichts Kaltes, das ist eine der wärmsten Formen von Fürsorge, die ich kenne.

Und genau das ist es, was wir oft verwechseln. Wir denken Klarheit kostet Beziehung. Dabei ist es die Unklarheit, die Beziehungen auf Dauer zermürbt.

Diese drei Sätze klaue ich mir von Durga. Vielleicht helfen sie dir auch.

1. Ich brauche gerade ___, kannst du das mit mir halten?

Das ist der Satz für Momente, in denen du weißt was du brauchst, aber der Mund zugeht, bevor du danach fragst.

Wir haben das Bitten verlernt. Oder genauer gesagt haben wir gelernt, dass Bitten gefährlich ist, dass man entweder stark genug sein muss alles alleine zu tragen, oder sich klein machen muss, um etwas zu bekommen. Die Version dazwischen, in der man einfach sagt, was man braucht und dem anderen die Wahl lässt, ist vielen von uns fremd geworden.

Der Satz hat zwei Teile, die zusammenwirken. Der erste benennt das Bedürfnis konkret, und je konkreter du bist, desto leichter kann der andere antworten. Stille ist präziser, als mir geht es nicht gut. Zeit für mich ist klarer als ich bin, irgendwie so. Der zweite Teil macht aus einer Forderung eine Einladung, denn „kannst du das mit mir halten“ gibt dem anderen wirklich Raum zu sagen ja gerne, oder ich kann gerade selber nicht, oder lass uns schauen wie.

Wo du das im Alltag einsetzen kannst.

Stell dir vor du kommst nach einem überfordernden Tag nach Hause und dein Partner fragt, wie es war. Statt „ach, geht schon“ versuchst du es mit „ich brauche gerade fünfzehn Minuten für mich, kannst du das mit mir halten?“ Er wird nicht beleidigt sein, er wird es wahrscheinlich verstehen.

Oder stell dir vor du bist auf einem Familientreffen und merkst, dass die Gespräche dich auslaugen, dann nimmst du deine Schwester zur Seite und frägst ob sie kurz mit dir rausgehen kann, statt zu fliehen oder durchzuhalten bis du explodierst.

Besonders wundervoll ist dieser Satz, wenn du eine schwere Nachricht bekommen hast und eine Freundin anrufst. Statt gleich in die Geschichte zu stürzen kannst du sagen „ich brauche gerade jemanden der einfach nur zuhört, ohne dass wir schon nach Lösungen suchen, kannst du das mit mir halten?“ Dieser Satz nimmt vorweg was gleich kommt und hilft dem anderen wirklich für dich da zu sein, statt automatisch in den Reparier-Modus zu gehen.

2. Das geht für mich gerade nicht. Ich melde mich wenn ich wieder Kapazität habe.

Dieser Satz ist ein kleines Wunderwerk. Er erklärt nichts, er entschuldigt sich für nichts, und er lässt die Tür offen, ohne sie weit aufzureißen.

Wir sind so trainiert Absagen zu polstern, dass ein klarer Satz sich fast unhöflich anfühlt. „Ich würde ja so gerne aber leider leider und meine Tante und mein Hund und ich hab sowieso grad so viel um die Ohren.“ Je mehr Erklärung wir liefern, desto mehr Angriffsfläche entsteht, weil jeder einzelne Grund widerlegt werden kann. Ein klarer Satz lässt sich nicht widerlegen, weil er nichts behauptet außer deiner eigenen Kapazität.

Das ist auch der Grund, warum dieser Satz manchmal Widerstand auslöst. Menschen sind an die Polster-Variante gewöhnt, und wenn du plötzlich klar sprichst, kann das irritieren. Das hat nichts damit zu tun, dass du etwas falsch machst, es ist nur ungewohnt. Die Irritation gehört zum Lernen dazu, auf beiden Seiten.

Wichtig ist der zweite Teil, in dem du dich meldest, wenn du wieder Kapazität hast. Er macht klar, dass die Beziehung weiterhin steht und es nur um das Thema oder den Zeitpunkt geht, und er verhindert, dass Absage mit Ablehnung verwechselt wird.

Wo du das im Alltag einsetzen kannst.

Eine Kollegin fragt, ob du kurz ihr Projekt anschauen kannst, obwohl du schon überlastet bist. Statt ja zu sagen und dann mit Groll zu reagieren, probier den klaren Satz.

Oder eine Freundin lädt dich zu einem Wochenende ein und du merkst, dass du dich nur gerade nicht drücken willst.

Besonders kraftvoll wird dieser Satz, wenn jemand aus der Familie anruft mit einem langen Problem und du gerade selbst in einem engen Moment sitzt. „Ich kann dir gerade nicht so zuhören wie du es verdienst, ich melde mich morgen, wenn ich klarer bin.“

Dieser Satz macht deutlich, dass es nicht darum geht dich abzuweisen, es geht darum dir wirklich zuhören zu können. So kann eine wahre Kriegerin aussehen und damit einhergehend wahre Fürsorge. 

3. Ich hab dich nicht eingeladen mir deine Meinung zu sagen.

Dieser Satz braucht am meisten Mut, und er braucht auch das meiste Verständnis dafür, warum er überhaupt nötig ist.

Wir haben verlernt zu fragen, ob Rat erwünscht ist. Es ist uns so selbstverständlich geworden ungefragt Meinungen, Tipps, Analysen und Korrekturen auszuteilen, dass wir gar nicht mehr merken, wie übergriffig das sein kann.

Du erzählst etwas aus deinem Leben, und plötzlich sitzt jemand vor dir und analysiert dich, korrigiert dich, erklärt dir wie du es besser machen könntest. Dabei wolltest du nur erzählen, und auf einmal bist du in einem Gespräch über dich, dass du nie geführt haben wolltest.

Und das tut weh. Dein Körper bekommt in diesem Moment die Botschaft „du weißt nicht genug, du kannst nicht genug, du brauchst Korrektur“, auch wenn der andere es gut meint. Die Nervensystem-Reaktion ist dieselbe wie bei einer Kritik, du wirst kleiner, ziehst dich zurück, argumentierst defensiv. Und dann passiert oft noch das Zweite.

Du denkst du wärst „nicht kritikfähig“ und erlaubst dir die eigene Reaktion nicht. Dabei ist sie kein Fehler, sondern die gesunde Antwort deines Körpers auf etwas, das ohne deine Einladung in dein Leben eintritt.

Was wir verlernt haben und wieder lernen dürfen, ist vor einem Ratschlag zu fragen. Ein einziger kleiner Satz macht hier oft den Unterschied, nämlich „willst du Input dazu oder willst du nur dass ich zuhöre?“ Damit wird aus einem Monolog ein Gespräch, die Autonomie des anderen wird respektiert, und es entsteht Raum für echte Unterstützung statt wohlmeinender Einmischung.

Und wenn jemand nicht gefragt hat, darfst du es benennen. Der Satz klingt auf den ersten Blick hart, ist es aber nicht. Er ist ehrlich und gibt dem anderen eine Chance zu verstehen was gerade passiert. Du kannst ihn ruhig sprechen, mit einem Lächeln sogar. Die Worte tragen die Klarheit, der Ton trägt die Wärme.

Wo du das im Alltag einsetzen kannst.

Du erzählst deiner Tante, dass du mit dem neuen Job gerade überfordert bist, und sie fängt an dir zu erklären, was du anders machen solltest. „Danke, ich hab gerade keinen Rat gebraucht, ich wollte nur erzählen, wie es mir geht.“

Oder eine Freundin fragt, wie es deiner Beziehung geht, du erzählst ehrlich, und sie beginnt sofort mit Analysen und Büchertipps. „Ich merke ich hab dich nicht nach deiner Meinung gefragt, magst du mir einfach nur zuhören?“

Vielleicht kommentiert dein Vater ungefragt deine Kleidung, deine Wohnung, deine Lebensentscheidungen, dann darfst du sagen „Ich hab dich nicht eingeladen mir das zu sagen, ich möchte das nicht hören.“

Oder du postest etwas Persönliches in einer Chatgruppe und jemand springt sofort mit ungefragten Ratschlägen rein, dann reicht oft ein „Danke, ich hab nur geteilt, ich brauch gerade keinen Input.“

Das Besondere an diesem Satz ist, dass er nicht nur dich heilt. Er erinnert den anderen daran, dass es einen Unterschied gibt zwischen Teilhabe und Einmischung, und dass diese Grenze immer bei der Person liegt, die erzählt, nie bei der Person, die zuhört.

Zum Mitnehmen, die drei Sätze auf einen Blick

Wenn du in einem dieser Momente stehst, wo du spürst, dass du etwas sagen willst, aber die Worte nicht kommen, dann kehr hierher zurück. Vielleicht hilft dir einer davon.

Wenn du etwas brauchst, probiere es mit „Ich brauche gerade ___, kannst du das mit mir halten?“

Wenn etwas zu viel ist, darfst du sagen „Das geht für mich gerade nicht, ich melde mich, wenn ich wieder Kapazität habe.“

Und wenn jemand ungefragt Rat erteilt, dann ist „Ich hab dich nicht eingeladen mir deine Meinung zu sagen, ich wollte nur erzählen“ ein wundervoll klarer Satz.

Und merke dir

  • Klarheit ist keine Härte, sie ist Fürsorge, für dich und für die Beziehung.
  • Deine Reaktion auf ungefragten Rat ist kein Zeichen fehlender Kritikfähigkeit, sie ist die gesunde Antwort deines Körpers.
  • Bitten ist keine Schwäche, es ist eine Einladung zur echten Begegnung.
  • Ein Nein zu einer Situation ist nicht ein Nein zur Beziehung.

 

Und vor allem dürfen wir das alle üben!

Mal klappt es, mal kommt der Satz nicht rechtzeitig, mal sagst du ihn zu leise, und das ist alles in Ordnung. Jedes Üben zählt, und jede neue Version deiner Stimme ist ein Schritt näher zu der Frau, die du sein kannst.

Durga wurde nicht gerufen, weil sie laut war. Sie wurde gerufen, weil sie klar war.

Nimm diesen Blog, als viele kleine Einladungen dich selbst, deine Stimme ernst zu nehmen, und an die Menschen um dich herum dich wirklich zu hören. Sie dürfen holprig anfangen, sie dürfen beim ersten Mal schief klingen, und sie verwandeln sich mit jeder Wiederholung ein Stück mehr in etwas das ganz selbstverständlich zu dir gehört.

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3 Sätze für klare Kommunikation, inspiriert von Durga

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Durgas Apotheke

Dieser Blog ist der dritte in unserem April mit der Kriegerin, und diesmal schauen wir auf das was direkt vor unseren Füßen wächst. Fünf Eigenschaften die eine Kriegerin braucht, vier Pflanzen die sie verkörpern, und Rezepte die du jetzt, in diesen Wochen, frisch draußen sammeln kannst. Kein Kräuterwissen nötig. Nur ein Spaziergang und die Achtsamkeit am Wegesrand zur Seite zu blicken.

Durga und die Wut

Unterdrückte Wut verschwindet nicht. Sie geht irgendwo hin. Manche Frauen tragen sie im Körper, in verspannten Schultern, in chronischer Erschöpfung, in dem diffusen Gefühl dass irgendwas nicht stimmt ohne genau sagen zu können was. Andere tragen sie als Resignation, die Energie die eigentlich Veränderung einleiten wollte, wird zu Gleichgültigkeit. Wozu überhaupt. Es ändert sich ja sowieso nichts.

Über mich

Ich, Ann-Kathrin, war einmal die Frau, die in Räumen unsichtbar wurde. Die ihre Meinung schluckte, bevor sie ausgesprochen war. Die lernte, dass Liebe etwas ist, das man sich verdient durch Anpassung, durch Schweigen, durch das Verschwinden der eigenen Bedürfnisse.

Mit 23 konnte ich manchmal kaum aufstehen. Nicht weil mein Körper krank war, sondern weil meine Seele unter einem Gewicht lag, das ich nicht benennen konnte. Bis zu dem Tag, an dem ich zum ersten Mal von Coaching hörte. Von der Idee, dass Geschichten nicht festgeschrieben sind.

Heute bin ich Story Alchemistin. Ich begleite Frauen auf dem Weg von der Gefangenen zur Schöpferin ihrer eigenen Geschichte. Mit den Archetypen wilder Göttinnen als Wegweiserinnen. Mit der uralten Weisheit, dass Transformation Zerstörung verlangt.

Die alte Geschichte niederbrennen. Die neue aus der Asche erschaffen. Das ist meine Arbeit. Das ist Story Alchemie.

Und genau diesen Weg gehe ich mit Frauen, die bereit sind, ihre eigene Verwandlung zu wagen.

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